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Die Frau in Schwarz

Guter Spukhausfilm alter Schule 

 Kanada, Vereinigtes Königreich 2012

 Regie: James Watkins     

 Laufzeit: 95 Minuten

 

Handlung: England Anfang des 20. Jahrhunderts: Der junge Anwalt Arthur Kipps erhält den Auftrag, in ein abgelegenes Dorf zu reisen und dort den Nachlass einer verstorbenen Mandantin zu sichten. Sein vierjähriger Sohn bleibt unterdessen bei der Kinderfrau, die Kipps beschäftigt, seit seine Frau bei der Geburt des Jungen gestorben ist. Das Haus der Mandantin ist ein herrschaftliches, abgelegenes und offenbar übel beleumundetes Anwesen. Zumindest zeigen sich die Einheimischen alles andere als hilfsbereit. Und bald sieht der junge Witwer eine geisterhafte Erscheinung. Doch wer ist die Frau in Schwarz? Und was will sie?

 

Besprechung: Auf diesen Film hatte ich nie Lust, weil ich durch das Plakat und das Mitwirken von Daniel Radcliffe irgendwie dachte, das sei ein seichter Fantasygrusler. Dann las ich neulich in Till Burgwächters Büchlein „Wenn der Werwolf dreimal klingelt“, dass „Die Frau in Schwarz“ ein empfehlenswerter Gruselfilm alter Schule sei, und gab ihm eine Chance. 

 

Meine Sorge, dass mich Radcliffe zu sehr an Harry Potter erinnern würde, war unbegründet. Er spielt den deprimierten Witwer wirklich toll und lässt diese Figur für sich stehen. Dabei nutzt er nur wenig Mimik und Gestik, man kann fast von „Underacting“ sprechen – und es funktioniert! In seiner Mischung aus existentieller Trauer, Neugier und Tapferkeit hat mich Kipps ein wenig an den (ungleich älteren) Komponisten aus „Das Grauen“ (The Changeling, Kanada 1980) erinnert. Auch dieser zeigt sich angesichts unheimlicher Spukerscheinungen in einem ansonsten unbewohnten Herrenhaus überaus tapfer, was ich mir mit seinem Interesse am Leben nach dem Tode erkläre: Wenn es Geister gibt, dann gibt es auch irgendwo noch meine verstorbene Frau, dann ist sie nicht einfach Nichts. 

 

Auch an einen anderen großen Spukhausfilm musste ich beim Gucken von „Die Frau in Schwarz“ denken: den von mir geliebten „Bis das Blut gefriert“ (The Haunting, USA 1963). Zumindest sehe ich atmosphärische Parallelen zwischen den teils vollgestopften Herrenhäusern und der Art, wie sich die Kamera durch die (meist) fensterlosen Flure und Räume bewegt. Und wie der alte Spukhausklassiker lässt auch „Die Frau in Schwarz“ viel Raum für Phantasie und hält sich mit plakativen Schreckszenen zurück. Ganz wird allerdings nicht auf jumpscares und offensive Visualisierung des Grauens verzichtet. Dabei kommen dann auch die typischen Geräuscheffekte zum Einsatz, die den ansonsten stilsicheren Film mit seiner starken Musik hin und wieder ein bisschen gewöhnlich machen.   

 

Die Geschichte (nach der gleichnamigen Romanvorlage von Susan Hill) ist konventionell, was bei einer Geistergeschichte nichts Schlechtes sein muss. Die schlichte und düstere Story berührt grundsätzliche Fragen nach der Sinnhaftigkeit einer totgeweihten Existenz, in der wir obendrein jederzeit unsere Liebsten verlieren können. Und was wirkt sinnloser als der Tod eines Kindes? Vielleicht hätte ich gerne noch etwas mehr über die Frau in Schwarz erfahren, aber andererseits ist es gerade eine Stärke des Films, dass er nicht zu den Übererklärungen neigt, die im Genre häufig sind.

 

„Die Frau in Schwarz“ ist ein starker Spukhausfilm mit einem tollen Spukhaus, einem gut spielenden Daniel Radcliffe, einem Ciarán Hinds als sympathische Nebenfigur und einer Moorszene, die in Erinnerung bleibt. 

 

Trivia: Regisseur James Watkins drehte vorher den ganz anderen, aber ebenfalls starken Horrorfilm „Eden Lake“ (Vereinigtes Königreich 2008). 

 

„Die Frau in Schwarz“ war der finanziell erfolgreichste britische Horrorfilm seit zwei Jahrzehnten und bedeutete Rückenwind für die legendären britischen Hammer-Studios, die im Jahr 2007 nach 20 Jahren Pause durch den niederländischen Produzenten John de Mol reaktiviert worden waren.

 

Der Filmsohn von Daniel Radcliffe ist im wirklichen Leben sein Patenkind. Radcliffe hielt es für eine gute Idee jemanden in der Kinderrolle zu besetzen, mit dem er bereits eine gute Chemie hatte. 

 

Der Roman „Die Frau in Schwarz“ von Susan Hill aus dem Jahr 1983 wurde bereits 1989 von der BBC verfilmt. In dem TV-Film spielte Adrian Rawlins den Arthur Kipps. Rawlins spielt übrigens in den Harry-Potter-Filmen den Vater von Harry Potter. Auch Ciarán Hinds spielte in der Harry-Potter-Reihe mit, und zwar als Aberforth Dumbledore in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ (Vereinigtes Königreich, USA 2011).

 

Bei den Puppen und Spielzeugen, die im Film zu sehen sind, handelt es sich um echte Antiquitäten.

 

IMDB: 6.4 von 10

Letterboxd-Rating: 2.9 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

 

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