Teurer Tauchhorror ohne Tiefgang
• USA 2020
• Regie: William Eubank
• Laufzeit: 95 Minuten
Handlung: 2050 im Marianengraben: Die gewaltige Bohr- und Forschungsanlage Kepler 822 wird vermeintlich von einem starken Seebeben beschädigt. Die Maschinenbauingenieurin Norah Price macht sich mit einem kleinen Teil der Crew auf, um zu einer nahegelegenen, unbeschädigten Station zu gelangen und von dort mit Rettungskapseln an die Wasseroberfläche zurückzukehren. Dieser Weg führt aber erst einmal noch weiter in die unerforschte Tiefe.
Besprechung: Nach „The Descent“ hatte ich Lust auf einen weiteren klaustrophobischen Monsterfilm und habe mich an „Underwater“ erinnert, der für sein Schreckensszenario die
Tiefsee wählt. Die unerforschten Abgründe des Meeres sind ein toller Schauplatz für einen Horrorfilm, und sie werden hier gut in Szene gesetzt. Der Beginn in der
Forschungsstation erinnert in seiner menschenleeren Ruhe und dem plastischen Setdesign an „Alien“, und auch in Folge sind manche
Settings angenehm haptisch und massiv, was die Orte und Situationen emotional greifbar macht. Damit endet aber auch schon die qualitative Nähe zum Science-Fiction-Klassiker. Vieles, was dort
stark umgesetzt war, ist hier bestenfalls mittelmäßig. So ist zum Beispiel die Crew um Kapitän Lucien (Vincent Kassel) und Maschinen-Ingenieurin Norah (Kristen Stewart) halbwegs erträglich,
auf die hollywood-typischen dummen Sprüche und hölzernen Dialoge wird aber leider nicht komplett verzichtet. Dadurch stellt sich zeitweise das Gefühl ein, es mit Comicfiguren und
nicht mit echten Menschen zu tun zu haben.
Das gilt leider in besonderem Maße für die Hauptfigur. Kristen Stewart wirkt in dem Szenario deplatziert. Als Model in einer Werbung für wuchtige Tauchanzüge würde sie eine gute
Figur machen (und dann würde auch der einfallslose Electro-Score passen). So, wie sie hier auftritt, kann ich sie mir auch als hippe Künstlerin in einem Film, der in Brooklyn spielt, vorstellen.
Aber als Maschinen-Ingenieurin sechs Meilen unter der Meeresoberfläche? Nee, Freunde. Und wenn sie dann noch stark geschminkt mehrmals in Unterwäsche durch die Korridore flitzt, bin ich endgültig
aus der Immersion gerissen. Wesentlich besser funktioniert Vincent Cassel als kompetenter Kapitän, der präsent ist, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Natürlich erwartet man bei einem Film wie diesem keine tiefe Figurenzeichnung, zentral sind vielmehr die Terrorszenen. Da schlägt sich der Film solide. Bereits nach wenigen Minuten kippt
die Handlung durch das vermeintliche Seebeben in den Katastrophenmodus und reiht dann mit wenigen Verschnaufpausen eine unangenehme Situation an die nächste. Ich habe dabei manchmal
etwas die Übersicht verloren, aber das kann auch daran liegen, dass mein räumliches Vorstellungsvermögen eher unterdurchschnittlich ist. Die Kreaturen, mit denen es unsere tapferen Crewmitglieder
zu tun bekommen, sehen teilweise klasse aus und sind manchmal auch stark in Szene gesetzt. Ausgerechnet beim Ende scheint das Budget oder das visuelle Urteilsvermögen aber aufgebraucht gewesen zu
sein, und es schleichen sich ein paar recht mittelprächtige Darstellungen ein.
Alles in allem ist „Underwater“ weder ein richtig mieser noch ein richtig guter Film, sondern ein technisch ambitioniertes, inhaltlich aber wenig originelles Unterwasserspektakel
mit ein paar Makeln. Wobei der größte darunter für mich leider Kristen Stewart ist.
Trivia: In den zahlreichen Unterwasser-Szenen mussten die SchauspielerInnen luftdichte Anzüge tragen, die über 60 Kilogramm wogen und durch
die man die Anweisungen des Regisseurs nicht gut hören konnte. Gedreht wurde dabei in abgedunkelten Studios ohne Beleuchtung und mithilfe von volumetrischem Scanning. Dieses
digitale Verfahren erzeugte eine Atmosphäre um die SchauspielerInnen, während sich Scheinwerfer durch die abgestrahlten Partikel bewegten. So entstand die Illusion von die Menschen umgebenden
Wassermassen.
Die Kulissen wurden zunächst in VR erstellt, was es den Entwicklern ermöglichte, mit Details und Beleuchtungskonzepten zu experimentieren, bevor die physischen Sets gebaut
wurden.
Der Film war (vor allem pandemie-bedingt) an den Kinokassen ein Flop und spielte von seinem Budget von rund 60 Millionen Dollar nur 40 Millionen ein.
Es gibt ein alternatives Ende des Films, das nicht in den Kinos gezeigt wurde und auch bei den regulären Streaming-Angeboten nicht enthalten ist.
„Alien“-Fans werden einige Anspielungen auf die Alien-Filme finden. Lovecraft-Fans werden in dem Film einen (großen) alten Bekannten wiedererkennen.
IMDB: 5.9 von 10
Letterboxd-Rating: 2.8 von 5
Hopsy-Rating: 2.5 von 5

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