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The Descent – Abgrund des Grauens

Klaustrophobischer Semi-Klassiker

 Vereinigtes Königreich 2005

 Regie: Neil Marshall     

 Laufzeit: 100 Minuten

 

Handlung: Einem Jahr nach einem schrecklichen Verlust macht Sarah mit fünf Freundinnen einen Trip in die Appalachen, um ein Höhlensystem zu erkunden. Die sportlichen Frauen geraten tiefer in die Kavernen, als ihnen lieb ist. Und sie sind nicht allein in der Dunkelheit.

 

Besprechung: Wer nach den besten Horrorfilmen der 2000er fragt, bekommt verlässlich früher oder später „The Descent“ genannt. Neil Marshall, der vorher den Werwolf-Horror „Dog Soldiers“ drehte, lässt es in diesem Film auch wirklich krachen: Bereits zu Beginn erleidet die Heldin einen brutalen Schicksalsschlag und verliert bei einem Autounfall Mann und Kind. Und von da geht es nur weiter bergab, im Wortsinn, denn die Höhlen sind wirklich tief und finster. Und als ob Dunkelheit und Enge und angespannte Gruppendynamik nicht schon Horror genug wären, haust auch noch etwas in den Höhlen, das Menschen als Beute sieht: ein archaisches Horrorszenario, das wuchtig in Szene gesetzt wird und die Spannungsschraube gekonnt anzieht. 

Jetzt beim Wiederanschauen nach etwa 15 Jahren hat mir „The Descent“ allerdings nicht mehr ganz so gut gefallen, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Irgendwie hatte ich den Film als dreckige britische Independent-Produktion abgespeichert, und war nun verblüfft, wie US-amerikanisch und hollywoodmäßig er sich anfühlt. Das fängt mit dem Streicher-Score und der Optik an, geht weiter mit den Darstellerinnen, die alle wie Models in Szene gesetzt sind, und schlägt sich schließlich auch in den Sprechweisen nieder, die nur bei manchen (und da auch nur dezent) den wundervollen britischen Einschlag haben. Im Geiste der 2000er – und somit beeinflusst vom 3. Welle Feminismus – sind die Frauen als selbstbewusste Schönheiten in Szene gesetzt, die sich kernig wie Kerle benehmen können und dabei trotzdem attraktive Frauen sind. Ich will nicht sagen, dass das heutzutage unemanzipiert wirkt, aber tatsächlich ein bisschen angestaubt. Zumindest fand ich die Frauengruppe jetzt bei der Neusichtung nicht so interessant und sympathisch, wie ich sie in Erinnerung hatte, was dem Film für mich ein bisschen Energie gekostet hat. Auch konnte ich die sechs Frauen in den Höhlen nicht immer auseinanderhalten.

Das ist aber letztlich Meckern auf hohem Niveau, denn die schlichte Story bleibt stark, die Höhlen sind ein grandioses Setting und die Kreaturen sind toll gestaltet und in Szene gesetzt. Der Film geizt nicht mit Grusel, Beklemmung, Terror und brachialer Gewalt und kann dank einer gewissen psychologischen Grundierung durch die traumatisierte Heldin als Rundumversorgung für Horrorfans betrachtet werden.

 

Trivia: Die Filmmacher hielten es für zu gefährlich und kompliziert, in echten Höhlen zu drehen. Daher wurden für „The Descent“ in den Londoner Pinewood Studios 21 separate Höhlensets nach Entwürfen des Production Designers Simon Bowles errichtet. Durch unterschiedliche Kameraperspektiven, Kulissen und Beleuchtungen wurde ein nahezu endloses Netz aus miteinander verbundenen Tunneln und Höhlen suggeriert. Um einen realistischen Eindruck zu erwecken, beschränkten die Filmemacher die Beleuchtung der Sets oft auf Lichtquellen, die die Protagonistinnen dabeihatten, also Taschenlampen, Helmlampen und Leuchtstäbe.

Auf Drängen von Regisseur Neil Marshall wurden alle Rollen der sogenannten „Crawler“ von professionellen Schauspielern und nicht von Stuntmen oder Tänzern besetzt. Marshall wollte, dass sie ihren Kreaturen einen unverwechselbaren Charakter verliehen, obwohl viele von ihnen im fertigen Film nur wenige Sekunden zu sehen sind. Das Design der Crawler stammt vom Maskenbildner Paul Hyett. 

Es gibt zwei Enden für den Film, die sich deutlich voneinander unterscheiden.

Dank des großen Erfolgs – The Descent spielte bei einem Budget von 3.5 Millionen fast 60 Millionen Dollar ein – drehte ein anderer Regisseur (Jon Harris) vier Jahre später ein Sequel. „The Descent Part 2“ kann nicht mit dem ersten Teil mithalten, was vor allem an den weit weniger gut in Szene gesetzten Höhlenkreaturen liegt. Auch ist die Figurenzeichnung flacher und die Plausibilität fragwürdiger. Trotzdem ist das dank einiger guter Einfälle sowie erhöhtem Klaustrophobie- und Brutalitätsgrad ein sehenswerter Film für Freunde deftigen Horrors.  

Der Film ist Meg gewidmet, Neil Marshalls geliebtem Hund, der während der Dreharbeiten starb.

 

IMDB: 7.2 von 10

Letterboxd-Rating: 3.6 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Steffelowski (Sonntag, 04 Januar 2026 12:28)

    Ja, so ist das mit dem Wiedersehen älterer Filme. Alles hat sich geändert: der Anspruch, die Gesellschaft, man selbst und vieles mehr. Da verliert vieles, was früher innig geliebt wurde, deutlich an Zauber. Schade.
    Die Darstellung der toughen Frauengruppe fand ich damals wie heute ziemlich drüber und wenig einem echten Feminismus entsprechend. Aber genau diese Art von „Femsle Empowerment“ hat im Mainstream Film (und TV) eingenistet: Frauen lösen Probleme leider ebenso brachial und gewaltvoll wie Männer. Im Falle von The Descent sage ich aber ….gut so �

  • #2

    Anselm (Samstag, 24 Januar 2026 18:29)

    Stimmt: Im Falle von "The Descent" kann man den Frauen nur wenige Vorwürfe machen. Und Zeiten ändern sich.