Schaumgebremstes Remake eines sleazigen Slashers
• USA 2025
• Regie: Mike P. Nelson
• Laufzeit: 96 Minuten
Handlung: Billy Chapman musste als Kind mit ansehen, wie seine Eltern von einem Mann im Santa-Claus-Kostüm ermordet werden. Als Erwachsener zieht er vom 1. bis 24. Dezember selbst los, um bösartige Menschen zur Strecke zu bringen. Dabei hilft ihm eine ratgebende Stimme in seinem Kopf. Als sich Billy ausgerechnet in seinem Mördermonat in einer Kleinstadt niederlässt und mit Pamela, der Tochter eines Weihnachts-Ramschladens anbändelt, stehen für ihn außerordentliche Probleme ins Haus.
Besprechung: Wer das Original aus dem Jahr 1984 kennt, wird sich angesichts der Neuverfilmung die Augen reiben: keine nackte Haut,
keine sadistischen Nonnen, keine eindeutig sexuelle Neurose – und kein jüngerer Bruder Ricky. Im Jahr 2025 kommt die wilde Geschichte deutlich weniger anstößig daher. Der
„Sleaze“-Faktor, der den ursprünglichen Film und seine vier Sequels so schmierig-unterhaltsam, aber auch etwas unangenehm machte, wurde politisch korrekt entfernt. Damit richtet sich der
Film an eine neue Generation, die womöglich ausufernde Sexszenen in Kombination mit Gewaltexzessen nicht mehr als Befreiungsschlag gegen die „faschistoiden Spießer“, sondern nur noch als „cringe“
wahrnimmt. Auch die unterdrückte Sexualität und der damit verknüpfte Sadismus der Katholiken ist der jüngeren Generation vermutlich schwerer zu vermitteln, also verzichtet Mike P. Nelson
gleich darauf. Das Ergebnis beschrieb der User Kit Lazer auf letterboxd.com sehr schön mit „Dexter meets Venom but shot like a Hallmark movie.“ Der Hallmark-Channel ist in den
USA bekannt für seine glatt inszenierten RomComs und familientauglichen Weihnachtsfilme.
Ein Film für die ganze Familie ist „Silent Night, Deadly Night“ allerdings trotzdem nicht geworden. Dazu ist er dann doch zu brutal. Es gibt einige harte Szenen und saftige Kills, die
aber nicht so wirken, als habe ihnen das besondere Augenmerk der Macher gegolten. Weder sind sie übermäßig kreativ noch mit Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Das lässt an Nelsons
Neuauflage von „Wrong Turn“ denken – auch da griff der Regisseur auf eine blutrünstige, teils sexlastige und insgesamt trashige Reihe zurück, um nicht nur die Geschichte stark zu verändern,
sondern auch eine zugleich hochwertigere und glattere Inszenierung vorzulegen. Exploitation- und Trashfans sollten ihre Erwartungen also im Zaum halten.
Dennoch ist diese Neuversion kein Schuss in den Ofen. Dafür sorgen vor allem Rohan Campbell als Billy und Ruby Modine als Pamela. Beide können ein markantes Charisma auf die Leinwand
bringen, und beide spielen ihre eigentlich abstrusen Rollen mit einer Selbstverständlichkeit, die die Geschichte zusammenhält. Die Tonalität des Films gibt selten vor, ob wir ihn als
unterhaltsamen Klamauk, ernstes Drama, oder fiesen Horrorfilm sehen sollen. Irgendwie ist er alles gleichzeitig und fällt dabei interessanterweise doch nicht auseinander. Das Pacing lässt
wenig Zeit für Leerlauf, der Soundtrack ist liebevoll ausgewählt und die Figurenzeichnung ist nicht tief, aber präzise und – innerhalb der Regeln der abgedrehten Story – schlüssig. Ein
kleiner Genre-Klassiker wie das Original wird dieser Film nicht werden. Dazu sind schon zu viele mörderische Weihnachtsmänner über die Leinwand gewütet, zuletzt Art, der Clown, der in „Terrifier
3“ wirklich kein Körperteil unversehrt gelassen hat.
Für einen lange im Gedächtnis bleibenden Beitrag zum Genre fehlt dem neuen Film auch die Konsequenz, es mal in irgendeiner Richtung wirklich krachen zu lassen. Dabei hätte sich
das bei einer Szene, in der auch Hakenkreuzflaggen auftauchen, wirklich angeboten. Aber trotz einer gewissen Gebremstheit ist „Silent Night, Deadly Night“ ein erstaunlich unterhaltsamer
Film mit eigenem Charme und zwei zu Herzen gehenden Hauptfiguren geworden. Muss man ihn sehen? Nein. Kann man jede Menge Spaß damit haben? Auf jeden Fall!
Trivia: Der Film wird damit beworben, vom "Studio hinter dem „Terrifier“-Franchise" produziert worden zu sein, was nun
wirklich völlig falsche Erwartungen weckt.
Rohan Campbell spielte (neben anderen Filmen) vorher schon in zwei Horrorfilmen mit: „Halloween Ends“ und „The Monkey“. Ruby Modine ist im Genre noch
bekannter. Horrorfans kennen sie aus „Central Park“, „Happy Death Day“, „Happy Death Day 2U“, „Satanic Panic“ und „Fear“.
Es gab bereits 2012 unter dem Titel „Silent Night“ eine Neuverfilmung des Weihnachtsmann-Slashers aus den 1980ern. Die Version von Regisseur Stephen C. Miller ist nicht übermäßig
inspiriert, aber bietet solide Unterhaltung für die Zielgruppe, also brutale Morde und schwarzen Humor. Gedreht wurde der 2012er-Film am gleichen Ort wie der neue – in Winnipeg, Kanada.
IMDB: 6.1 von 10
Letterboxd-Rating: 3.2 von 5
Hopsy-Rating: 3 von 5

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