Stumpf, leidenschaftlich, gut
• USA 1992
• Regie: Sam Raimi
• Laufzeit: 81 Minuten bzw. 96 Minuten (Director´s Cut)
Handlung: Nach den Ereignissen aus „Tanz der Teufel 2“ wird der schneidige Kaufhausangestellte Ash samt Schrotflinte und Kettensäge durch einen Zeitsprung ins England des finsteren Mittelalters geschleudert. Dort bandelt er mit einer Schönheit an, bekommt es mit einem mysteriösen Zauberbuch zu tun und stellt sich Legionen von Untoten entgegen.
Besprechung: War „Tanz der Teufel 2“ schon deutlich humorvoller und slapstick-reicher als sein Vorgänger, so brechen beim dritten Teil der Evil-Dead-Reihe alle Dämme. Als ich den Film im Alter von etwa 19 Jahren mit Freunden im Kino sah, waren wir uns alle einig: Raimi hatte unsere von Horrorfilmen, Fantasy-Rollenspielen und chronischer Witzelsucht verseuchten Gehirne ausgelesen und einen Film daraus gemacht. Unseren Film! Ich habe „Armee der Finsternis“ in den folgenden Jahren noch mindestens fünf Mal gesehen, meist angeheitert. Dann habe ich fast 30 Jahre die Finger von dem Film gelassen, aus Angst, dass er mir im Rückblick peinlich sein könnte, bzw. ich mir selbst. Denn wenn ich heute an diese launigen Jungmännerabende denke, stehen sich zwei Eindrücke gegenüber: Wir hatten wirklich Spaß. Und: Dieser Spaß war aus heutiger Sicht ziemlich bescheuert, vielleicht manchmal auch bieder, ignorant und trist.
Nun aber habe ich „Armee der Finsternis“ im Zuge meiner Evil-Dead-Besprechungen nach all der Zeit noch einmal gesehen und bin dabei in meine eigene provinzielle Adoleszenz zurückgekehrt. Und tatsächlich wirkt der Film heute auf mich genau so wie meine Erinnerung an eben diese Adoleszenz. Anders gesagt: Immer wenn ich beim Gucken gedacht habe „das ist aber wirklich stumpf, billig, abgedroschen“, habe ich kurz darauf gedacht „das ist aber echt unterhaltsam, leidenschaftlich, mitreißend“.
Die Geschichte ist im Kern eine klassische Heldengeschichte und zugleich eine Parodie darauf. Es werden einige tropes aus Fantasy- und Ritterfilmen sowohl mustergültig erfüllt als auch der Lächerlichkeit preisgegeben. Man kann sich also gleichzeitig an einem stabilen Machismo erfreuen als auch darüber amüsieren. Ash (Bruce Campbell) steckt hier noch mehr ein als in den beiden Vorgängerfilmen, die Gewalt ist dabei aber durchgängig cartoonhaft und tut beim Gucken nicht mehr weh als die Kapriolen von Tom und Jerry.
Die handgemachten Tricks sind oft toll, manchmal auch etwas angestaubt, und erinnern gerade in den Skelettanimationen an die tolle Stop-Motion-Arbeit von Ray Harryhausen. Auch Kulissen, Beleuchtung und Musik erzeugen eine wohlige Old-School-Atmosphäre, in etwa so, als wäre man in einen 60er-Jahre Fantasy-Horrorcomic geraten. Der Humor ist sehr körperlich. Intellektuelle Feinheiten oder subtile Anspielungen sollte man nicht erwarten. Hier regiert die krachende Oberfläche und reißt durch die schiere Freude des Films an seiner eigenen Albernheit mit. Dabei kommt „Armee der Finsternis“ zugute, dass Sam Raimi und sein Team nicht nur mit Leidenschaft bei der Sache sind, sondern auch handwerklich richtig was drauf haben. Gerade die Kameraarbeit von Bill Pope (u.a. „Matrix“, „Spider Man 2“, „Fell – eine Liebesgeschichte“) ist wirklich super und wertet das Spektakel enorm auf.
Der Horror spielt diesmal eine eher untergeordnete Rolle. Trotzdem deutet Raimi mit kleinen atmosphärischen Einsprengseln an, dass sein Film richtig unheimlich sein könnte, wenn er wollte. Auch die Brutalität ist aus heutiger Sicht massentauglich. Mainstream war der Film 1992 allerdings nicht. Ob er es heute (mit höherem Budget) sein könnte, ist eine gute Frage.
Wer bis hierhin gelesen hat, kann den Film bedenkenlos gucken. Alle anderen haben vermutlich schon bei der Handlungs-Wiedergabe – oder sogar schon bei einem kurzen Blick aufs Filmposter – abgewunken. Ja, „Armee der Finsternis“ ist Klamauk, der wahrscheinlich 14-Jährigen Jungen mit nbicht allzu elaboriertem Geschmack am Besten gefällt. Aber es ist ein verdammt liebevoll dargebotener Klamauk, der Filmgeschichte zitiert und selbst ein kleines Stück (kultiger) Filmgeschichte geworden ist.
Trivia: Das Drehbuch zu „Armee der Finsternis“ schrieb Sam Raimi mit seinem Bruder Ivan Raimi, der genau wie der dritte Familiensproß (Ted Raimi) nicht nur als Drehbuchautor sondern auch als Schauspieler arbeitete. Sam und Ivan schöpften für ihren Film aus einer Vielzahl von Quellen, darunter literarische Werke wie Mark Twains „Ein Yankee am Hofe des König Artus“ und Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“ sowie Filme wie „Sindbads siebente Reise“, „Jason und die Argonauten“, „The Three Stooges“ und „Conan der Barbar“.
Die Hauptdreharbeiten dauerten rund 100 Tage und fanden am Rande der Mojave-Wüste in der Sommerhitze statt.
Ursprünglich sollte der Film „The Medieval Dead“ heißen. Er spielte bei einem Budget von 11 Millionen US-Dollar nicht einmal 22 Millionen ein.
Die amerikanische Kinofassung ist 81 Minuten lang, die europäische 85 und der Director's Cut, der dieser Besprechung zur Grunde liegt, 96 Minuten. Es gibt auch noch eine vierte Fassung. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, klicke hier.
Die Zauberformel „Klaatu Verata Nektu“ erinnert stark an den Satz „Klaatu barada nikto“, welcher im Science-Fiction-Film „Der Tag, an dem die Erde stillstand" benutzt wird. In jeweiliger Verwendung soll diese magische Phrase die Erde vor dem Untergang bewahren.
IMDB: 7.4 von 10
Letterboxd-Rating: 3.7 von 5
Hopsy-Rating: 3.5 von 5

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