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Evil Dead

Kompromissloses Remake

USA 2013

Regie: Fede Álvarez    

Laufzeit: 91 Minuten

 

Handlung: Mia will vom Heroin loskommen und plant mit ihren Freund*innen und ihrem Bruder David einen kalten Entzug in der abgelegenen Waldhütte ihrer Familie. Die fünf jungen Menschen entdecken im verborgenen Keller der Hütte ein geheimnisvolles „Buch der Toten“, und natürlich kann einer von ihnen es nicht lassen, ein paar Worte daraus vorzulesen. Bald sind Mias heftige Entzugssymptome das geringste Problem der Gruppe.

  

Besprechung: Als 2013 begleitet von einer effektiven Werbe-Kampagne das Remake des 1981er Kulthits „The Evil Dead“ (deutscher Titel „Tanz der Teufel“) in die Kino kam, gab es unter Horrorfans ein großes Hallo. Nachdem „Evil Dead 2“ (1987) und „Armee der Finsternis“ (1992) zunehmend humoristische Elemente integriert hatten, war diese Neufassung ein erstaunlich humor- und kompromissloser Schlag in die Magengrube. Ich erinnere mich noch gut, wie ich an einem sehr warmen Karfreitag-Nachmittag zusammen mit einem Freund in einem vollbesetzten Kinosaal in Köln saß und wir uns bereits nach der starken Eröffnungssequenz zufrieden zunickten.  

 

Ob es sich bei „Evil Dead“ um ein Remake, ein „Re-Imagining“ oder schlicht ein Sequel von „The Evil Dead“ handelt, kann am Nerd-Stammtisch diskutiert werden. Tatsache ist, dass sich die 2013er Version auf die Horror- und Krawall-Aspekte des Originals besinnt und dabei sowohl manches aus der Vorlage übernimmt, als auch ein paar Änderungen präsentiert. Das Budget war natürlich deutlich höher, als beim Filmstudenten-Projekt aus den frühen 1980ern, entsprechend ist die Inszenierung hochwertiger und die Schauspieler*innen sind besser. 

Interessanter für die Fans war aber wahrscheinlich, dass auch die zahlreichen Spezialeffekte und Maskendesigns klasse aussehen und fast vollständig ohne Computertechnologie umgesetzt wurden. Für offene Münder sorgte auch, dass Fede Álvarez in seinem Regiedebüt auf einen Härtegrad setzte, der für einen 17 Millionen Dollar teuren Film im Jahr 2013 ungewöhnlich hoch war. Hier werden Arme abgetrennt, Gesichter mit Nagelpistolen beschossen, Köpfe an Waschbecken eingeschlagen und Menschen mit Blut vollgekotzt. Gleichzeitig vergisst Álvarez aber auch nicht, Atmosphäre aufzubauen, unheimliche Szenerien zu erschaffen und die Dämonen fiese Psychotricks spielen zu lassen. Auch hat seine Inszenierung ein gutes Gespür für Tempo: Der Film wirkt nie langatmig oder hektisch, sondern entwickelt seine Handlung und Szenen in der richtigen Geschwindigkeit und Reihenfolge.

 

Allerdings muss ich auch sagen, dass die Inszenierung wenig mit der unbekümmerten Experimentierfreude des Originals zu tun hat, sondern eher routiniert ist. Die Kameraarbeit von Aaron Morton ist dabei nicht innovativ, aber immerhin cool und effektiv, so wie ich auch Schnitt, Ausleuchtung und Colourgrading des Films für handwerklich richtig gut gemacht halte. Die von Roque Baños komponierte Filmmusik hingegen ist in meinen Augen die Schwäche von „Evil Dead“. Voller Klischees (bis hin zu dramatischen Geigen) verstärkt sie den Eindruck, dass der Film manchmal konventioneller ist, als ihm guttut.

 

Die Schauspieler*innen sind allesamt solide, wobei Jane Levy als drogensüchtige Mia besonders positiv heraussticht. Ihre Rolle gibt aber auch am meisten her, während die beiden anderen Frauen in der Runde leider ziemlich blass bleiben. Für die Figur der Natalie waren ursprünglich wohl deutlich mehr Dialogzeilen geschrieben worden, die dann aber in der finalen Drehbuchfassung wegfielen.

 

Aus heutiger Sicht würde ich „Evil Dead“ 3.5 von 5 Sternen geben, und finde ihn tatsächlich aufgrund der nicht allzu spannenden Charaketer ein bisschen weniger gelungen als „Evil Dead Rise“. Da der Film aber damals ein saftiges Statement fürs Horrorkino war, stehen hier beim Hopsy-Rating 4 Sterne.     

 

P.S.: Der Hund stirbt, ohne dass er vorher groß in Erscheinung getreten wäre.

 

P.P.S.: Zur Zeit gibt es den Film in der ZDF-Mediathek, allerdings in einer geschnittenen Fassung. Auch bei den üblichen Streaming-Diensten findet sich der Film nicht in seiner ganzen Pracht. Interessierte Menschen müssen also ein bisschen mehr Zeit und Mühe investieren, um zum Beispiel die Kombination „Teppichmesser-Zunge“ volle fünf Sekunden zu begutachten. Ich empfehle, sich gleich den 96 Minuten langen „Extended Cut“ für etwa 12 Euro im Netz als BluRay zu bestelllen. Das lohnt sich allein schon deshalb, weil wir hier endlich sehen was eigentlich mit zwei der von Dämonen besessenen Menschen final passiert. 

 

Trivia: Als Produzent Rob Tapert gegenüber dem Regisseur des Originals (Sam Raimi) und dem damaligen Hauptdarsteller Bruce Campbell die Möglichkeit eines „Evil Dead“-Remakes zur Sprache brachte, reagierte Raimi äußerst positiv. Campbell zeigte sich weniger begeistert. Raimi meinte, dass sein „The Evil Dead“ genau die Art von Film sei, die von einer neuen Generation von Filmemachern erfolgreich modernisiert und neu interpretiert werden könnte. Campbell hingegen war wenig erfreut bei dem Gedanken, seine ikonische Rolle des Ash abzugeben. Er lenkte erst ein, als er erfuhr, dass der Film neue Charaktere enthalten und die Rolle des Ash nicht neu besetzt werden würde.

 

Regisseur Fede Álvarez erhielt den Auftrag, das Remake zu schreiben und zu inszenieren, dank seines fünfminütigen Kurzfilms „Panic Attack!“ (2009), der sich durch Mundpropaganda zu einem YouTube-Hit entwickelt hatte.

 

Der Film enthält einige Referenzen zum Original. Zum Beispiel sieht man früh im Film Ashs verrosteten 1973er Oldsmobile Delta 88 Royale in der Nähe der Hütte stehen. 

 

„Evil Dead“ wurde mit einem Budget von 17 Millionen Dollar zu 95 Prozent in chronologischer Reihenfolge gedreht. Drehort war Neuseeland. Das Einspielergebnis lag bei nicht ganz 100 Millionen Dollar.

 

Nimmt man die Anfangsbuchstaben der Hauptfiguren David, Eric, Mia, Olivia und Natalie, so ergeben diese das Wort DEMON.

 

In der Ukraine ist der Film in jedweder Fassung verboten.  

 

IMDB: 6.5 von 10

Letterboxd-Rating: 3.4 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 4 von 5

 

 

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