· 

Evil Dead Rise

Frisches Blut fürs Franchise

 Neuseeland, Irland, USA 2023

Regie: Lee Cronin    

Laufzeit: 96 Minuten

 

Handlung: Beth ist ungewollt schwanger geworden und besucht ihre ältere und mutmaßlich weniger chaotische Schwester Ellie, um sie um Unterstützung zu bitten. Ellie ist aber gerade von ihrem Mann allein mit drei Kindern sitzen gelassen worden und bewohnt ein Appartement im oberen Teil eines runtergekommenen Hochhauses.   Die Heranwachsenden haben natürlich vor allem Unfug im Kopf. Das rächt sich, als Jungspund Danny nach einem Erdbeben in der Tiefgarage ein in Leder gebundenes Buch und ein paar Schallplatten findet. Denn leider spielt der Teenager mit DJ-Ambitionen die Platten ab. Auf einer ist eine Beschwörungsformel aus dem „Buch der Toten“.

  

Besprechung: Zehn Jahre nach „Evil Dead“ von Fede Alvarez kam 2023 dieser fünfte Beitrag des ehrwürdigen Horror-Franchise in die Kinos. Horrorfreunde weltweit fragten sich, ob man versuchen würde, mindestens so humorlos, düster und brutal zu sein wie der Vorgänger oder sich eher an den schwarzhumorigen Filmen „Evil Dead 2“ und „Armee der Finsternis“ orientieren würde. Die Antwort war ein klares: Weder noch!

 

„Evil Dead Rise“ schraubt die Gewaltspirale nicht weiter in die Höhe, sondern steigert seine Wirkung auf andere Weise als die Vorgänger: Diesmal haben wir es mit wirklich sympathischen Menschen zu tun, und drei davon sind auch noch minderjährig. Die üblen Dämonen machen sich nun also nicht über etwas fragwürdige junge Leute her, sondern strecken ihre Krallen nach zwei im Kern liebenswerten Frauen, zwei herzigen Teenies und einem süßen Kind aus. Das verleiht den Bösartigkeiten des Films eine ziemliche Wucht und hat mich früh emotional ins Geschehen verwickelt.

 

Das letzte Mal habe ich den Film vor drei Jahren im Kino gesehen und konnte mich jetzt beim Wiedergucken an das Meiste noch erinnern. Bei gut 300 Filmen, die ich jährlich sehe, ist das keine Selbstverständlichkeit und zeugt in meinen Augen von der Qualität, die „Evil Dead Rise“ hat. Das starke Hochhaussetting mit seinen dunklen, sterilen Fluren, dem Aufzug, der Tiefgarage und der meist spärlich beleuchteten Wohnung bleibt ebenso im Gedächtnis wie die nahbaren Charaktere und die zahlreichen fiesen Szenen. Der Film lässt der Atmosphäre Raum zum atmen und dosiert seine Gewaltausbrüche, Schock- und Spannungsmomente so, dass es nach hinten raus eine merkliche Steigerung gibt. Das Sounddesign ist dabei enorm wuchtig, was sich vor allem beim Schauen (und Hören) im Kino bemerkbar macht.

 

Der Humor ist wohldosiert und fügt sich mühelos in den Film ein, ohne Spannung und Schrecken zu mindern. Auch dass der Film eine für die Reihe eher untypische Wärme hat, schadet dem Horroraspekt nicht, sondern verstärkt ihn sogar. Und auch, wenn „Evil Dead Rise“ nicht ganz so brachial zu Werke geht, wie sein Vorgänger – es wird genug aufgefahren, um einem blutrünstigen Publikum gerecht zu werden. Fans der Reihe bekommen neben derben Splattereffekten, weißen Saft kotzenden Deadites, krassen Maskeneffekten und einer eindrucksvollen „Dead by Dawn“-Szene obendrein gleich zu Beginn eine dämonische Kamerafahrt präsentiert, die dann aber humorvoll aufgelöst wird. Weiterer Fanservice sind eine fette Shining-Referenz, die Kettensäge und die fetteste Title-Card ever.

 

Zu Meckern habe ich nur wenig. Der Score ist nicht besonders einfallsreich und manchmal in meinen Ohren auch zu platt. Diese unheilvollen Crescendos und plötzlichen Lautstärke-Sprünge sind als Effekthascherei einfach abgenutzt. Auch finde ich, dass der abgeschlagene Kopf in der Eröffnungssequenz billig aussieht, was gleich zu Beginn ein kleiner Downer ist. Oft sehen abgetrennte Köpfe auch in heutigen Filmen aus, wie in billigeren Produktionen der 1980er, und mein Tipp wäre: wenn man es nicht richtig gut hinbekommt, einfach weglassen. Schließlich hätte man aus einer Käsereibe und der erwähnten Kettensäge mehr machen können, ja müssen, aber das sind Kleinigkeiten in einem angenehm leichtfüßigen und doch heftigen Film. Lee Cronin gelingt es, dem Geist der Reihe gerecht zu werden, gerade in Bezug auf die Gemeinheit der Dämonen und das Treiben der Besessenen, das zugleich verstörend-unheimlich und cartoonhaft-absurd wirkt. 

 

„Evil Dead Rise“ verbindet Tradition und Gegenwart wunderbar lässig miteinander und beweist, dass das Franchise noch lebendig ist.  

 

Trivia: Es gibt einige Referenzen zu früheren Evil-Dead-Filmen. Zum Beispiel erinnern die Ranken, die auf Ellies Arme tätowiert sind, an die berüchtigte Baumszene aus dem ersten Teil und dem Remake. Ganz am Anfang des Films ist das Summen einer Fliege zu hören (ein Markenzeichen der Reihe). Außerdem sieht man in der Eröffnungssequenz in der Hütte eine Standuhr, die aussieht wie diejenige, die Cheryl in „Tanz der Teufel“ (1981) zeichnet. Die Pizzeria im Film heißt Henrietta's und erinnert damit an Henrietta Knowby aus „Evil Dead 2“. Auch wurden alle Charaktere in „Evil Dead Rise“ nach Schauspieler*innen aus früheren Filmen der Reihe benannt. 

 

Schauspielerin Alyssa Sutherland ließ sich für die Darstellung von Ellies besessener Version von Jim Carreys Darstellung des Stanley Ipkiss in „Die Maske“ (1994) inspirieren. 

 

Regisseur Lee Cronin erklärte in einem Interview, dass für den Film (1.720 Gallonen (6.500 Liter) Kunstblut verwendet wurden.

 

Der Film wurde in chronologischer Reihenfolge in recht kurzer Zeit gedreht. Die Tage am Set waren lang, und oft wurde auch noch am Wochenende gearbeitet. Das Budget des Films soll zwischen 15 und 19 Millionen gelegen haben. Eingespielt wurden weltweit rund 150 Millionen. Damit ist „Evil Dead Rise“ der bisher erfolgreichste Film der Reihe. 

 

IMDB: 6.5 von 10

Letterboxd-Rating: 3.1 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 4 von 5

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0