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Evil Dead Burn

Der teuerste, blutigste und schwächste Teil der Reihe

USA 2026

Regie: Sébastien Vaniček    

Laufzeit: 109 Minuten

 

Handlung: Der zwielichtige Ehemann der jungen Alice stirbt bei einem Autounfall. Die Trauerfeier im kleinsten Familienkreis wäre schon Alptraum genug, denn die Eltern des Verstorbenen stehen Alice nicht gerade herzlich gegenüber. Da sich im Besitz der Familie allerdings auch ein mystischer Dolch befindet, bekommt es die kleine Trauergesellschaft bald mit Dämonen zu tun. Deren Spezialität ist es, in die Körper frisch Gestorbener hineinzurauschen und die Kontrolle darüber zu übernehmen. 

  

Besprechung: Was für ein Horrorjahr bisher. Einerseits die sensationellen Erfolge des großartigen „Obsession“ und des immerhin interessanten „Backrooms“, andererseits aber auch der bisher schwächste Teil der Scream-Reihe, und nun auch ein neuer „Evil Dead“ Film, der in meinen Augen gegenüber den Vorgängern abstinkt.

 

Wie schon in „Spiders“ stellt Regisseur Vaniček unter Beweis, dass er ein Talent für rasante, zeitgemäße Inszenierungen hat. Leider fehlt ihm aber das Gespür für Atmosphäre. Seine „Evil Dead“ Version ist ultra-brutal, voller Krawall und Effekte, bietet nur wenige Verschnaufpausen und wirkt doch sonderbar egal und fast schon langweilig. Vielleicht liegt es daran, dass man im Lauf der ohnehin zu langen Laufzeit abstumpft, womöglich aber vor allem auch daran, dass die Figuren nicht interesssant oder gar liebenswert sind. Als am Anfang vier junge Leute in einem Club zu sehen sind, habe ich sofort gedacht: Hoffentlich muss ich mit den Pappnasen jetzt nicht den Film verbringen. Doch, musste ich. Dabei hat Alice (Souheila Yacoub) im Lauf der Zeit für mich an Charisma dazugewonnen. Je mehr sie einsteckt und austeilt, desto mehr konnte ich mit ihr mitgehen. Die Schauspielerin (bekannt etwa aus „Dune“ oder „Climax“) macht ihre Sache durchaus gut. Auch den anderen Darsteller*innen will ich  nichts vorwerfen, aber die Chemie stimmt einfach nicht.

 

Auch haut die Tonlage des Films für mich nicht hin. Der triste graue Look und die Ernsthaftigkeit vieler Sequenzen tragen das Pathos der „New French Extremity“ vor sich her. Die gelegentlichen Humorversuche und der Trash-Faktor der Story passen nicht dazu. Für mich kamen einfach kaum Evil-Dead-Vibes auf. Oft fühlte ich mich her wie eben in einem französischen Terrorfilm der frühen 2000er oder einer besonders gewaltvollen Folge von „The Walking Dead“. Dieses spezifische Aroma der Reihe, die Cartoongewalt, schwarzen Humor und echten, manchmal verstörenden Horror (je nach Teil in unterschiedlicher Gewichtung) auf eine anarchische Weise kombiniert, fehlt mir hier. Die CGI-Effekte im Finale machen es nicht besser.

 

Allerdings finde ich auch, dass der Film nach dem Gucken besser wirkt als währenddessen. Jetzt schälen sich die zahlreichen effektiven Gewalt- und Ekelszenen aus der Erinnerung und etliche starke Bilder drängen sich auf. Auf diese Weise entsteht im Nachgang tatsächlich so etwas wie eine konsistente Atmosphäre. Die meist praktischen Effekte sind wirklich saftig und sehenswert und wie gesagt: zahlreich. Hier wird gesplattert wie in den letzten beiden (nicht gerade zimperlichen) Teilen zusammen. Dafür lohnt sich der Kinobesuch dann doch. Außerdem möchte ich die Trauerfeier-Szene zu Baustellenlärm lobend erwähnen. Hier liegen Schrecken und dunkler Humor auf gute Weise nah beieinander und zeigen, dass Vaniček nicht jeden Moment mit Score und Sounds und alt bekannten Horroreffekten zuballern muss, sondern eine Sequenz auch mal atmen lassen kann. Und dann entsteht tatsächlich auch Atmosphäre.  

 

Trivia: Sam Raimi, der Schöpfer von „Evil Dead“, wählte Sébastien Vanicek als Regisseur aus, nachdem ihn dessen Film „Spiders“ (2023) beeindruckt hatte. Vanicek erklärte, sein Ziel mit dem Film sei es, „ein viszerales, sinnliches Erlebnis zu schaffen, das dem Publikum einen Schlag in die Magengrube versetzt. Ich möchte, dass sich die Zuschauer beim Verlassen des Kinos körperlich ausgelaugt fühlen – als hätten sie eine emotionale und intensive Reise hinter sich.“

 

Maskenbildnerin Luciane Buchanan, die sich hier wirklich austoben konnte, ließ sich von Jane Levys Darstellung der Mia in „Evil Dead“ (2013) und Alyssa Sutherlands Darstellung der Ellie in „Evil Dead Rise“ (2023) inspirieren. Im Interview erklärte sie dazu: „Ich finde ihre Körpersprache und ihre Mimik einfach unglaublich interessant. Es wirkt so schlicht, und doch bewirken sie damit so viel. Aber ich wollte es nicht einfach kopieren. Ich wollte, dass Tia eine eigenständige Persönlichkeit ist. Es war also eine Zusammenarbeit mit allen Abteilungen, bei der wir versucht haben herauszufinden, wer sie eigentlich ist.“ Für Buchanan sollte jeder Deadite einen eigenen Look und eine eigene Persönlichkeit haben. 

 

Der Film wurde mit einem Budget von 20 Millionen Dollar in Neuseeland gedreht. Die Kritiken für den Film sind mehrheitlich positiv. 

 

Ein weiterer Teil mit dem Titel „Evil Dead Wrath“ ist bereits in Planung und soll 2028 in die Kinos kommen. 

 

IMDB: 6.9 von 10

Letterboxd-Rating: 3.5 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3 von 5

 

 

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