· 

Death of Me

Pärchen im Thailandurlaub

Thailand, USA 2020

Regie: Darren Lynn Bousman    

Laufzeit: 95 Minuten

 

Handlung: Christine und Neil machen Urlaub auf einer thailändischen Insel im Südpazifik. Eines morgens wachen sie schwer verkatert und ohne Erinnerung an die letzte Nacht auf. Allerdings gibt es ein Handy-Video aus der vergessenen Nacht. Darin sind die Beiden bei verstörenden und unerklärlichen Dinge zu sehen.

  

Besprechung: 2.1 Sterne auf letterboxd, 4.5 Punkte bei der IMDB und hauptsächlich negative Kritiken auf rotten tomatoes sprechen eine deutliche Sprache: Für viele ist „Death of Me“ ziemlicher Mist. Und tatsächlich lässt sich einiges Schlechte über den Film sagen: Die Handlung wirkt wirr, konstruiert und nicht gerade zu Ende gedacht. Die Hauptcharaktere verhalten sich nicht immer nachvollziehbar. Die Einheimischen der thailändischen Insel müssen wahlweise als drollige Witzfiguren oder sinistre Bösewichte herhalten, auf jeden Fall sind sie „die Fremden“, was dem Film hin und wieder auch den Vorwurf einbrachte, etwas xenophob zu sein. Hinzu kommt, dass „Death of Me“ nicht besonders unheimlich ist und zu den weniger gruseligen Horrorfilmen gehört.

 

Aber mir hat er recht gut gefallen. Zum einen hat mich die schicke Optik gleich in den Film hineingezogen, und die Leinwandpräsenz von Maggie Q als Christine und Luke Hemsworth als Neil ist auch stabil genug, um erst einmal bei der Stange zu halten. Das thailändische Setting zwischen Touristen-Paradies und ärmlichen, sowie für die Touristen unverständlichen Lebensverhältnissen ist toll eingefangen, und das Mysterium, das der Film aufbaut, fand ich erst einmal interessant. Als ich dann bemerkt habe, dass der Film sich in seinem alptraumhaften Wechsel zwischen Halluzination und Realität zu verzetteln beginnt, hat mich das nur kurz gestört, dann habe ich es einfach akzeptiert. Natürlich schwächt es den Horror immer ab, wenn nicht klar ist, was Vision, Traum, Halluzination oder aber eben echtes Erleben ist, weil dann im Prinzip alles möglich und nichts wirklich nachhaltig ist. Trotzdem wollte ich wissen, was als Nächstes kommt und welche Verschachtelungen der Film noch anbietet. Dabei ist das weder ein genialer mind fuck im Sinne eines „Jaccob's Ladder“, noch im Sinne eines „Lost Highway“, und auch die im Film zitierte Vorlage „The Wicker Man“ wird weder intellektuell noch atmosphärisch erreicht. Eine sonderbare Stimmung transportiert der Film dennoch.

 

Ein Inselparadies, das für die Urlauber zum Alptraum wird, ist zwar kein besonders origineller Dreh im Horrorbusiness, aber ehrlich gesagt trotzdem einer, den man nicht allzu oft zu sehen bekommt. Und dieser hier kann mit guten Settings und starken Bildern überzeugen. Dabei verballert der Film seine besten Einstellungen nicht am Anfang sondern spart sie sich fürs letzte Drittel auf, was mit ebenfalls gut gefällt.Ob man das B-Movie-artige Ende eher charmant oder einfach albern und unpassend findet, liegt natürlich wie alles andere im Auge der Betrachterin. Aber ich möchte auf jeden Fall zur Verteidigung von „Death of Me“ sagen: Die Handlung in Kultfilmen wie „Suspiria“ oder gar „Inferno“ ist nun auch nicht gerade stringent oder auch nur wichtig, und das Verhalten der Charaketer löst in jedem zweiten Horrrofilm Kopfschütteln aus. Was Fremdenfeindlichkeit angeht, ist der schräge Kult auf der Thailandinsel nun auch nicht krasser als das, was „Midsommar“ einer schwedischen Kommune anhängt. Auch muss man das amerikanische Touristenpaar keinesfalls als rundum sympathisch und moralisch überlegen betrachten (schön in diesem Zusammenhang ist der Moment als eine Thailänderin sagt: „Wir sehen alle gleich aus, nicht wahr?“). 

 

Nein, „Death of Me“ ist kein Meisterwerk, und sicher kein Film, der für die Auswahl zu einer Liste der 100 besten Horrorfilme des 21. Jahrhunderts auch nur in Betracht gezogen werden müsste. Aber es ist ein gut gefilmter, solide gespielter, eigensinniger Urlaubshorrorfilm, der ein paar eigentümliche Stimmungen erzeugt und aber die Laufzeit von gut 90 Minuten unterhalten kann. Wenn man sein Hirn in die entsprechende Haltung hineinmeditiert bekommt.  

 

Trivia: Darren Lynn Bousman ist Horrorfans als Regisseur der Saw-Filme II bis IV bekannt. Dabei halte ich Saw III für den Besten der Reihe. Außerdem drehte der US-amerikanische Regisseur den wenig geliebten „Saw Spiral“ und weitere Horrorfilme wie „Mother's Day – Mutter ist wieder da“ (2010) oder „Abattoir – Es erwartet dich“ (2015).

 

„Death of Me“ wurde komplett in Thailand gedreht. Um die für uns exotische Atmosphäre zu unterstützen, engagierte der für die Filmmusik verantwortliche Mark Sayfritz die thailändische Sängerin Yanin Bandhaya. Deren ätherischer Gesang erzeugt eine entrückte Stimmung. 

 

Das im Film erwähnte Elixir Nam Man Prai existiert im thailändischen Volksglauben tatsächlich. Im weiteren Sinne sind damit alle möglichen Zaubertränke gemeint, die für Liebes-, Schutz- oder Erfolgszauber verwendet werden. Im engeren Sinne kann es sich auch um einen Trank handeln, um Menschen unter die eigene Kontrolle zu bringen. Das Elixir besteht  meist aus pflanzlichen Ölen, die mit bestimmten „magischen“ Kräutern und Wachs versetzt werden. Traditionell kommt bei den schwarzmagischen Varianten auch tierisches oder menschliches Fett in das Gebräu. Deswegen wird es auch (nicht nur im Film) als  „Leichenöl“ bezeichnet.

 

An eine Erklärung der verwirrenden Ereignisse in „Death of Me“ versucht sich Tracy Palmer hier. 

 

IMDB: 4.5 von 10

Letterboxd-Rating: 2.1 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3 von 5

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0