· 

Campfire Tales – Geschichten vom Grabesrand

Nostalgisch stimmende Low-Budget-Anthologie

 USA 1997

 Regie: Matt Cooper, Martin Kunert, David Semel    

 Laufzeit: 88 Minuten

 

Handlung: Vier Jugendliche fahren nachts von einem Konzert zurück, bauen einen Unfall und stehen nun irgendwo im dunklen Nirgendwo. Um sich die Zeit zu vertreiben, erzählen sie sich Gruselgeschichten, die wir dann natürlich als Episoden des Films zu sehen bekommen. In der ersten Story geht es um ein Paar, das mit dem Van durch die USA fährt und auf nächtlicher Landstraße von einem unbekannten Wesen attackiert wird. In der zweiten chattet die zwölfjährige Amanda mit einer Melissa, die nicht ist, was sie vorgibt zu sein. In der letzten Geschichte schließlich sucht ein Motorradfahrer Unterschlupf in einem abgelegenen Bauernhaus und trifft dort auf ein schönes, stummes Mädchen, das ein Geheimnis verbirgt. 

  

Besprechung: Dieser kleine Anthologiefilm ermöglicht eine wunderbare Zeitreise zurück in die späten 1990er und kann bei Menschen meines Alters durchaus nostalgische Gefühle wecken. Da ist zum einen die herrliche Farbgebung, die mich erfrischt wie ein kühler Trunk in der Sommerhitze. Da sind zum anderen die Geschichten, die sich an urbanen Legenden orientieren, wie ich sie schon als Kind von meinen älteren Geschwistern oder auf dem Schulhof gehört habe. Und schließlich ist da das Ensemble junger Charaktere, das angenehm normal wirkt und anders als in vielen anderen US-Horrorfilmen, nicht durch ständige Zoten, Gemeinheiten und Aggressionen auffällt.

Alle drei Geschichten schaffen es, eine schaurige Atmosphäre aufzubauen und Spannung zu erzeugen. Dafür nehmen sie sich recht viel Zeit, was dazu führt, dass man als Zuschauer sich so manches üble Ende ausmalt. Die tatsächlichen Auflösungen sind dann womöglich vergleichsweise weniger spektakulär als die eigenen Phantasien. Wie so oft, ist der Weg interessanter als das Ziel. 

Die Tonalität des gesamten Films ist verspielt und leichtherzig. Es gibt ein bisschen Sex, ein bisschen Gewalt, aber nichts, was man 16-Jährigen damals oder heute nicht zumuten könnte. Inhalte und Stimmungen der einzelnen Storys haben mich an Comichefte wie „Gespenster Geschichten“ oder „Tales From the Crypt“ erinnert. Es wird nicht der Anspruch erhoben, besonders tiefsinnig, ernst oder sozialkritisch zu sein. Es geht einfach um das Erzählen schauriger Geschichten. Das macht die „Campfire Tales“ angenehm unprätentiös und sorgt zugleich dafür, dass zumindest ich, über die Ungemütlichkeit der zweiten Geschichte und das Fortführen der Rahmenhandlung überrascht war.

Dass es sich hier nicht um ein filmisches Meisterwerk von zeitloser Bedeutung handelt, dürfte längst klar geworden sein. Dass diese kleine Sammlung von Gruselgeschichten charmant und weitgehend wirkungsvoll präsentiert wird, ebenso. Meine Bewertung speist sich sicher auch ein wenig aus dem Nostalgiefaktor. Menschen, die in den 1990ern nicht jung gewesen sind, können im Geiste also mindestens einen halben Stern abziehen.

 

Trivia: Der Film wurde mit einem Budget von zwei Millionen Dollar gedreht und kam sofort nach nur einen Kinovorführung in die USA in die Videotheken. Dabei erschien die Videoversion 1997 in Europa und Australien und erst Ende 1998 in den USA.

Der Film ist das Debüt der australischen Schauspielerin Jacinta Barrett, die später in Filmen wie „Der menschliche Makel“ (2003), „Ripley Under Ground“ (2005) oder dem Horrorfilm „Seven in Heaven“ (2018) mitspielte.

Während des Abspanns ist ein Cover des Songs „Monster Mash“ (ein Halloweensong von Bobby Prickett aus dem Jahr 1962) zu hören. Eingespielt wurde diese Version, die nirgendwo anders zu hören ist, von der Punkrock-Band Bobsled. Zum Zeitpunkt des Filmstarts im Jahr 1997 hatte sich die Band bereits aufgelöst.

Es gibt einen Film mit dem gleichen Titel aus dem Jahr 1991, bei dem ebenfalls Jugendliche an einem Lagerfeuer verschiedene Gruselgeschichten erzählen. Auch dieser Anthologiefilm ist meiner Ansicht nach einen Blick wert. 

 

IMDB: 5.8 von 10

Letterboxd0-Rating: 2.8 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0