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8: A South African Horror Story

Zäher und doch wirkungsvoller Folk-Horror

 Südafrika 2019

 Regie: Harald Hölscher    

 Laufzeit: 99 Minuten

 

Handlung: 1977 im ländlichen Südafrika: Der Weiße William zieht mit seiner Frau Sarah und der adoptierten Nichte Mary auf die Farm des kürzlich verstorbenen Vaters. Die kleine Patchwork-Familie stellt schnell fest, dass der Ort etwas Unheimliches hat. Vielleicht weiß Lazarus mehr, ein Einheimischer, der schon für Williams Vater gearbeitet hat, und der sich rasch mit der kleinen Mary anfreundet.

  

Besprechung: Obwohl der Film einige Schwächen hat, konnte er bei mir doch eine größere Wirkung erzielen. Die Schwächen zu benennen, fällt leicht: Die Handlung entwickelt sich zu langsam, etliche Szenen hätten einen strafferen Schnitt vertragen können. Die Schauspieler*innen sind bis auf Tshamano Seb als Lazarus nur so mittel, und außerdem gibt es Momente, in denen die Entscheidungen der Protagonisten ziemlich unplausibel sind. Auch das langgezogene, nicht im engeren Sinne spannende Finale, lässt den Film unrund und zäh wirken.

Aber. Auch wenn der Film nicht viele richtige Horror-Sequenzen enthält und sich eher als ruhiges, unheimliches Drama präsentiert – „8“ streift einen echten existenziellen Schrecken und verleiht ihm in wenigen fiesen Bildern wirkungsvoll Ausdruck. Zwar braucht der Film viel zu lange, bis sich eine ernsthafte Bedrohung für die Hauptfiguren aufbaut, dann aber wird es auf eine Weise ungemütlich, die mich bewegt hat. Vermutlich zahlt sich jetzt aus, dass der Film viel Zeit in die Darstellung von Lazarus und seiner Freundschaft mit der kleinen klugen Mary gesteckt hat. Überhaupt sind diese beiden Charaktere die interessantesten in dem Film, während Sarah vor allem mürrisch und William vor allem blass rüberkommt.

Eine Besonderheit an „8“ ist, dass er in Südafrika spielt und nicht nur mit einigen eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen aufwartet, sondern auch mit längeren Passagen, in denen Zulu gesprochen wird, ohne dass Untertitel den Uneingeweihten weiterhelfen. Die Kameraarbeit von David Pienaar ist einerseits überdurchschnittlich, andererseits nerven mich die zahlreichen, langen establishing shots, die dazu beitragen, dass „8“ deutlich länger wirkt, als er ist. Hätte der Film inhaltlich genug Substanz, könnte er sich dieses Schwelgen in langen Einstellungen eher erlauben. Aber weder der Dramastoff noch die folkloristische Horrorebene haben genug Tiefgang. Und so hatte ich Mühe mich die 99 Minuten über zu konzentrieren.

Dennoch, und das ist für mich das Besondere an dem Film, hat er mich emotional wirklich berührt und ein paar sperrige Gefühle ausgelöst, die mit „Bedrückung“, „Unbehagen“, „leiser Furcht“ oder „kosmischem Schrecken“ nur ansatzweise beschrieben sind. Vielleicht hat dazu auch der klassische Score von Elben Schutte beigetragen, in dem leitmotivisch das berühmte „Schwanenthema“ aus Tschaikowskis „Schwanensee“ zu hören ist. Gerade wer sich für Südafrika interessiert, sollte diesem kleinen, ungewöhnlichen Film also mal eine Chance geben.

 

Trivia: Die spirituellen Elemente, die in „8“ vorkommen, sind nicht einem spezifischen afrikanischen Volk oder Stamm zuzurechnen, sondern stammen aus einem Spektrum südafrikanischer Folklore und Mythologie. Es finden sich beispielsweise Bezüge zu traditionellen Heilern (Sangomas), schwarzmagischen Pratiken der Schicksalsbeeinflussung (Ukuthwala) sowie zum Ahnenkult, Seelenglauben und dem Glauben an besondere Orte, die den Zugang zu anderen Welten ermöglichen. Die dämonische Präsenz im Film heißt Uthuli, was in der Bantu-Sprache Nguni „Staub“ bedeutet. 

Harold Hölscher wurde in Südafrika geboren. „8“, der auch unter dem Titel „The Soul Collector“ vermarktet wird, ist sein Spielfilmdebüt.

Tshamano Seb ist in Südafrika ein preisgekrönter TV-Darsteller, der auch schon auf deutschen Theaterbühnen stand.

 

IMDB: 5.2 von 10

Letterboxd0-Rating: 2.7 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3 von 5

 

 

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