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Ghostland

Verstörendes Terrorkino

 Kanada, Frankreich 2018

 Regie: Pascal Laugier    

 Laufzeit: 91 Minuten

 

Handlung: Die Schwestern Vera und Beth ziehen als Teenagerin mit ihrer Mutter ins Haus der verstorbenen Tante und wollen hier ein neues Leben beginnen. Das Haus ist vollgestellt mit Krimskrams, darunter auch eine große Sammlung von Puppen. Unheimlicher ist aber der Süßigkeitenwagen, der den Dreien gefolgt ist, und dessen Insassen Böses vorhaben.

  

Besprechung: Wer immer bei der deutschen FSK diesem Film eine Freigabe ab 16 genehmigt hat: Wie hat der Lack geschmeckt? Anders gesagt: Erziehungsberechtigte, die sich durch die Streamingdienste klicken und denken „Ah, Ghostland, FSK 16, können wir mit unserem 14-jährigen Sohn gucken“ – tut das nur, wenn ihr euch noch Jahre später Vorwürfe anhören wollt und meint, eine Therapie sei für den Nachwuchs ohnehin früher oder später fällig. 

Ich habe diesen Film einmal nachts zufällig im Netz entdeckt und geguckt, ohne zu wissen, dass er von Pascal Laugier stammt, jenem französischen Regisseur, der 2008 die Horrorwelt mit „Martyrs“ um einen extremen Film bereichert hat. So heftig wie in diesem Kultfilm geht es in dem deutlich unbekannteren „Ghostland“ nicht zu, aber man sollte sich auf ungemütliche 90 Minuten einstellen. Visuell und akustisch ist der Film durchaus ansprechend, auch wenn ein paar der jumpscares nicht sein müssten. Aber gerade das Haus, in dem „Ghostland“ hauptsächlich spielt, ist ein starkes Setting, und die Puppen machen was her, auch wenn sie eigentlich nur da sind, um creepy zu wirken.




Die scheinbar simple Geschichte enthält Wendungen, und am Besten schaut man den Film ohne Vorwissen und meidet auch entsprechende Trailer. Hier sei nur gesagt, dass „Ghostland“ mehrere Motive des (psychologischen) Terrorkinos mischt und dabei verstörende Gefühle von Realitätsverlust bebildert. Auch auf sexualisierte Gewalt sollten sich Zuschauer*innen einstellen. Die Schauspielleistungen sind dabei durch die Bank solide, aber in meinen Augen stechen Emilia Jones und Taylor Hickson als Teenage-Schwestern noch einmal besonders heraus.

Dass „Ghostland“ bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad von „Martyrs“ erreicht hat, liegt meiner Ansicht nach daran, dass der Film weniger originell ist, sondern eher wie ein gut gemachter Mix aus bekannten Ideen wirkt. Auch zeigt Laugier hier weniger eine eigene Handschrift als in „Martyrs“ oder „Saint Ange“. Schließlich kann man auch bemängeln, dass die bösen Menschen in diesem Film, zu halbherzig und effekthascherisch charakterisiert werden. Da wäre in Hinblick auf psychologischen Tiefgang mehr drin gewesen.

 Trotzdem ist „Ghostland“ ein packender Film, der zu überraschen und zu verstören weiß. Horrorfans auf der Suche nach seriösem Stoff machen hier wenig falsch.

 

Trivia: Bei den Dreharbeiten zerschnitt sich Jungdarstellerin Taylor Hickson im Dezember 2016 beim Sturz durch eine Scheibe das Gesicht. Die Wunden mussten mit 70 Stichen genäht werden, hinterließen aber bleibende Narben. Im März 2018 verklagte Hickson die Produktionsfirma des Films, Incident Productions, auf Schadenersatz für entgangene Arbeitsaufträge infolge des Vorfalls. Die Sicherheitsvorkehrungen am Set waren unzureichend gewesen. Die Klägerin erhielt Recht und 40.000 Dollar Schadensersatz.

Der Film erhielt gemischte Resonanz. Manche warfen ihm Frauenfeindlichkeit vor, während ein Kritiker wie Simon Abrams von „The Village Voice“ schrieb, der Film sei eine „verstörende und wirkungsvolle Kritik am frauenfeindlichen Torture Porn“; er „mag zwar bisweilen wie ein hirnloser, blutrünstiger Slasher-Klon wirken, doch Laugiers gepeinigte Mädchen erweisen sich durchweg als stärker als ihre brutalisierten Körper.“ Ich selbst denke, dass die weiblichen Charaktere zu viel Eigenständigkeit besitzen, um Laugier eindeutig einen misogynen Blick vorzuwerfen. Ähnlich wie bei Lars von Trier sind die weiblichen Charaktere vielschichtig, wehrhaft und faszinierend. Sie werden keinesfalls auf eine reine Opferrolle reduziert. Dennoch   kann ich auch das Gefühl nachvollziehen, dass hier Regisseure einem Interesse nachgehen, das auch etwas Abgründiges hat.


 
Mylène Farmer, die in „Ghostland“ die Mutter der Teenagerinnen spielt, ist vor allem als Popsängerin und Songwriterin bekannt. Mit rund 30 Millionen verkauften Tonträgern zählt Farmer zu den erfolgreichsten französischen Musikkünstlern weltweit. Pascal Laugier und Mylène Farmer arbeiteten bereits vor „Ghostland“ zusammen: Der Regisseur drehte das Musikvideo für Farmers Song „City Of Love“.

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd0-Rating: 3.2 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

 

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