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Lee Cronin's The Mummy

Deftige Neuinterpretation

 USA 2026

 Regie: Lee Cronin    

 Laufzeit: 133 Minuten

 

Handlung: Charlie und Larissa leben mit ihren kleinen Kindern Katie und Sebastián in der Nähe von Kairo, wo Charlie als TV-Journalist arbeitet. Eines Tages wird die kleine Katie aus dem Garten der Behausung entführt. Die schockierten Eltern ahnen noch nicht, dass das erst der Beginn eines noch größeren Schreckens ist.

  

Besprechung: Klotzen nicht kleckern. Das ist die Devise von Lee Cronin, der schon bei „Evil Dead Rise“ die Regler auf Anschlag gedreht hat. Und da der Mann offenbar auch über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügt, hat er gleich seinen Namen vor den Titel dieser Neuverfilmung von „Die Mumie“ (1932) setzen lassen. Selbst der keinesfalls bescheidene Stanley Kubrick ist nicht mit „Stanly Kubrick's The Shining“ um die Ecke gekommen. Egal, denn ich blödele hier eh nur rum (siehe erstes Trivia-Fakt weiter unten). Wichtiger ist: Mit dem Original-Mumienfilm von Karl Freund, in dem Boris Karloff als untoter Hohepriester Imhotep sein Unwesen treibt, hat dieser Film hier nichts zu tun. Vielmehr ist „Lee Cronin's The Mummy“ eine eigentümliche Mischung aus Familiendrama, Ermittlungskrimi und bretthartem Dämonenhorror, die in etwa so subtil inszeniert ist wie ein Rammstein-Konzert. Hier ballern die Bässe, knallen die jumpscares, fliegen im wahrsten Wortsinne die Fetzen. 

Nicht wenigen Fans und Kritiker*innen gefällt das überhaupt nicht, auch wenn die Mumienfilme von 1999 und 2017 nun auch nicht gerade leise Arthouse-Filme gewesen sind. Aber irgendwie hat man sich wohl was anderes versprochen. Ich hingegen finde, dass dieser Film sehr gut zeigt, was Horrorfilme können: Nämlich auf  spielerisch-plakative Weise düstere Themen so bebildern, dass sie aus Angst, Sorgen und Trübsal Entertainment machen. Und wer will, kann sich dabei diesen Ängsten leichter stellen, wenn sie grell ans Licht gezerrt und konsumierbar gemacht werden.

Zielgruppe dieser Ängste dürften vor allem Eltern sein. Dass ein Kind entführt wird, ist schon sehr übel. Die Sequenz ist in meinen Augen auch sehr stark inszeniert und bleibt im Gedächtnis. Dass ein Kind aber in einem Zustand zurückkehrt, der mit „Pflegefall“ noch gelinde umschrieben ist, bringt noch ein ganz anderes Thema ins Spiel: die widersprüchlichen Gefühle, die Angehörige mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen auslösen können. Ein Thema, aus dem sich auch gut ein feinfühliges Drama machen ließe, das hier ist aber ein Film, der mehr Gemeinsamkeiten mit „Evil Dead Rise“ als mit „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ hat.

Das Mumiendesign ist in meinen Augen großartig. Die reichlich eingesetzten Effekte richtig gut (und in der Regel handgemacht). Die Länge von über 2 Stunden ist episch, aber ich habe mich keine Sekunde gelangweilt, weil immer was los ist. Jack Reynor (Horrorfans bekannt aus „Midsommar“) ist nicht der spektakulärste Familienvater der Filmgeschichte, und auch Laia Costa als Ehefrau Larissa ist nur okay bis ganz gut, aber da die Figuren keine Idioten oder Arschlöcher sind und gut mit ihren süßen Kindern umgehen, kann ich ein emotionales Band knüpfen, was die Wirkung des Films verstärkt. Dazu tragen auch ein paar humorvolle Elemente bei, die aber den grimmigen Ton des Films nicht beschädigen. Auch die Settings in Kairo oder das Haus in den Bergen samt heulenden Koyoten in der Umgebung sprechen mich sehr an. Auch mag ich die anderen Charaktere in diesem Film, der obendrein eine fette Tonspur auffährt. 

Eine reine Lobeshymne soll das hier allerdings nicht werden: „Lee Cronin's The Mummy“ ist nicht so originell, wie man am Anfang vielleicht noch vermuten mag. Die Geschichte ist nicht übermäßig plausibel und die Figurenpsychologie nicht tief. Auch wenn der Film ziemlich hart ist, ist das in erster Linie Popcorn-Kino für den weniger intellektuellen Filmabend. Hin und wieder erzeugt der Film eine bedrohlich und dunkle Atmosphäre, aber in der Regel zerstört er sie recht bald durch Krawall. Fein- und Schöngeister sind gewarnt.

 

Trivia: Erst überlegte die Produzenten von Blumhouse den Film „The Resurrected“ zu nennen, wollten aber auf die Bekanntheit der Mumienfilme bauen. Urpsürnglich trug der Film den Titel „The Mummy“, aber Produzent Jason Blum fügte Lee Cronins Namen hinzu, um das neue Werk von früheren „Mummy“-Filmen abzugrenzen. Cronin war zunächst unsicher, stimmte aber schließlich zu.

Lee Cronin nannte so unterschiedliche Filme wie „Poltergeist“ (1982) und „Sieben“ (1995) als Einflüsse. Auch erzählte er in einem Interview, dass der Kummer über den Tod seiner Mutter den Film emotional inspiriert habe. 

May Calamawy („Djinn“, 2013) und May Elghety sind die ersten ägyptischen Schauspieler*innen, die in einem „Die Mumie“-Film mitwirken. Obwohl der vorangegangene Film in Ägypten spielte, wurden die ägyptischen Charaktere darin von Schauspielern aus anderen Ländern dargestellt. Elghety unterstützte zudem bei den Dialogen im ägyptisch-arabischen Dialekt, die im Film gesprochen werden. Calamawy ist ägyptisch-palästinensischer Abstammung und wuchs mit dem levantinischen Arabisch auf; daher musste sie für den Film – mit Elghetys Hilfe – an ihrem ägyptisch-arabischen Dialekt arbeiten.
Das Mumiendesign des Films orientiert sich nicht an einbalsamierten Pharaonen, sondern an konservierten Moorleichen, die im National Museum of Ireland ausgestellt sind. Lee Cronin stammt aus Irland. Dort und in Spanien wurde der Film auch größtenteils gedreht. 

Dass der Film in Deutschland zunächst eine FSK 18 hatte, ist völlig nachvollziehbar. Dass Warner Bros. mit Blick auf die Einnahmen durchsetzen konnte, dass die FSK auf 16 reduziert wurde, verblüfft mich weitaus mehr.

 

IMDB: 6.4 von 10

Letterboxd0-Rating: 2.7 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

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