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The Rule of Jenny Pen

Terror im Pflegeheim 

 Neuseeland 2024

 Regie: James Ashcroft    

 Laufzeit: 103 Minuten

 

Handlung: Ein älterer Richter erleidet mitten während eines Gerichtsprozesses einen Schlaganfall und findet sich in einem Pflegeheim wieder. Geistig noch fit muss er nun mit körperlichen Einschränkungen kämpfen und obendrein mit dem Verlust an Status und Selbstbestimmung zurechtkommen. Als wäre das nicht bereits schrecklich genug, gibt es unter den Alten einen putzmunteren Psychopathen, der die Bewohner*innen des Heims quält. Dabei benutzt er eine Kinderpuppe, der alle huldigen sollen. Die "Spiele" des Sadisten werden immer gefährlicher und können sogar tödlich enden.

  

Besprechung: Alte Menschen halten in Horrorfilmen immer wieder einmal als Schreckgestalten her. Berühmt ist in der Hinsicht zum Beispiel die Frau in „Shining“, die sich Jack Torrance erst als verführerische Schöne und dann verrottende Alte präsentiert. In „The Rule of Jenny Pen“ steht aber nicht der alte Mensch als Schreckgestalt im Fokus, sondern der Zustand des Altseins, der mit Hilflosigkeit und schwindender Autonomie einhergeht. Oscarpreisträger Geoffrey Rush spielt den entmachteten Richter so, dass ich mich sofort in ihn hineinversetzen kann. Eben noch eine berufstätige Respektsperson, ist er nun ein Zausel unter Zauseln, der im Rollstuhl sitzt und sich waschen lassen muss. 

Der Alltag im Pflegeheim ist realistisch und einfühlsam in Szene gesetzt. Ich konnte nachempfinden, wie es sein muss, plötzlich ein Pflegefall zu sein, über den andere bestimmen. Der Film verklärt alte Menschen allerdings nicht rein zu armen Opfern.
 Denn bald kommt ja der hundsgemeine Dave ins Spiel, den John Lithgow wirklich eindrucksvoll und furchteinflößend verkörpert. Auch setzt sich der letztlich nicht rundum hilflose Richter mit allen ihm verbleibenden Mitteln zur Wehr. Denn Intelligenz, Trotz und Mut sind ihm geblieben.

Die beiden Hauptdarsteller in diesem originellen Film sind klasse. Leider kann „The Rule of Jenny Pen“ dieses Potenzial aber nicht voll nutzen. Nach einer starken ersten halben Stunde, in der wir uns zusammen mit dem Richter im Pflegeheim zurechtfinden müssen, verliert der Film an Tempo und wird etwas zäh. Vermutlich ist er einfach zu lang, und vermutlich ist die Bedrohung durch Dave auch irgendwie trotz aller Gemeinheit nicht konsequent und griffig genug. Was genau will er? Was soll die Puppe? Ist seine Vorgeschichte irgendwie relevant? Vielleicht habe ich hier etwas nicht verstanden, aber es kommt mir so vor, als ob der Film inhaltlich einfach nicht genug zu bieten hat, um 104 Minuten zu laufen. Auch ist er weder optisch noch akustisch besonders ansprechend, sondern wirkt teilweise wie eine bessere TV-Produktion.

Unter Horrorgesichtspunkten ist der Film ebenfalls eine durchwachsene Angelegenheit. Einerseits sind die Schrecken des Alterns im Film vor allem in der ersten Hälfte wirklich toll eingefangen, und es gibt auch in der Mitte eine wirklich fiese Szene mit einer demenzkranken Frau, aber wirklich unheimlich oder im engeren Sinne horrormäßig ist „The Rule of Jenny Pen“ nicht. Da es aber sowohl verstörende als auch spannende Momente gibt, ist dieser interessante Film alles in allem zu empfehlen, auch wenn mit einem besseren Drehbuch deutlich mehr drin gewesen wäre.

 

Trivia: „The Rule of Jenny Pen“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Owen Marshall, die den gleichen Titel trägt. Das Drehbuch hat Regisseur Ashcroft gemeinsam mit Eli Kent geschrieben. Ashcroft sagte in einem Interview, dass es in seine Augen in dem Film letztlich um Tyrannei gehe, um einen Diktator an einem Ort, an dem man ihn am wenigsten erwarten würde.

In dem Film lässt sich durchaus auch ein klassenkämpferischer Aspekt ausmachen, zumindest kann man die Rache des ehemaligen Pflegers Dave am wohlhabenden und etwas arroganten Richter Steven durchaus in diesem Licht betrachten. 

Um dem Film Authentizität zu verleihen, wurden alle Schauspieler*innen, die das Personal darstellen, in einer echten Pflegeeinrichtung geschult. Sie lernten dort, wie man mit Patienten spricht, wie man sie mit einem Hebegurt anhebt oder wie man mit ihnen geht.

Stephen King nannte „The Rule of Jenny Pen“ einen „der besten Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe“.

 

IMDB: 6.1 von 10

Letterboxd0-Rating: 3.1 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3 von 5

 

 

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