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Scream 2

Sehr solides Sequel

 USA 1997

 Regie: Wes Craven     

 Laufzeit: 120 Minuten

 

Handlung: Zwei Jahre sind seit den Morden in Woodsboro vergangen. Sidney Prescott studiert mittlerweile am Windsor College, das sich in einer anderen, aber sehr ähnlichen US-amerikanischen Kleinstadt zu befinden scheint. Während eine Studentinnenverbindung (Sorority) versucht, Sidney für sich zu gewinnen, beginnt jemand, der das Ghostface-Kostüm trägt, eine neue Mordserie.

 

Besprechung: Wegen des großen Erfolgs von „Scream“ erhielten Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor Kevin Williamson schnell grünes Licht für eine Fortsetzung. Und so kam ein gutes Jahr später „Scream 2“ auf die Leinwand. Statt der High School bildet nun das College inklusive den typischen US-amerikanischen Studentenverbindungen für Männer oder Frauen den Schauplatz der Ereignisse. Wieder fällt auf, wie gut die Inszenierung die Settings mit authentisch wirkendem Leben füllen kann. Ob eine vollbesetzte Mensa, eine Verbindungsparty oder einfach die Rasenfläche vor der Uni – immer ist etwas los, dass nicht nach schlecht agierenden Statist*innen aussieht. Auch die Szenen in der Theatergruppe sind richtig cool und bringen die Handlung augenzwinkernd mit der griechischen Tragödie um die mit der Gabe der Weissagung gestrafte Kassandra in Verbindung.

 



Auch sonst hat der Film Stärken, die man mit denen des ersten Teils vergleichen kann: eine gut aufspielende Neve Cambell in der Hauptrolle, jede Menge verdächtig wirkende Gestalten, saftige kills, Momente voller knisternder Spannung und obendrein die humoristischen Selbstreflexionen, die diesmal vor allem um das Thema „Sequel“ kreisen. Auch die in einem Kino spielende Opening-Sequenz ist richtig stark und spielt nicht nur humorvoll mit der Meta-Ebene und thematisiert die Abwesenheit schwarzer Menschen im weißen Slasher-Genre, sondern sie ist auch spannend und sogar ein wenig bitter und tragisch. Damit setzt der Film gleich den Ton für den Rest und bleibt dieser gelungenen Mixtur im weiteren Verlauf dann auch treu. Wenn Sheriff Dewey auf Sidney oder die hartgesottene Journalistin Gale trifft, ist der (selbst-parodistische) Seifenoperfaktor immer besonders hoch, was auch daran liegen könnte, dass David Arquette nicht der großartigste Schauspieler ist, aber eben ein einzigartiges Charisma hat.

 



Warum die Fortsetzung anders als die im Film aufgezählten Beispiele das „Original“ nicht erreicht oder gar übertrifft, liegt in meinen Augen an drei Dingen: Erstens ist der Film etwas zu lang und hängt in der Mitte ein wenig. Zweitens ist das Ende nicht so gelungen, da die Auflösung nicht nur ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist, sondern auch zu verlabert präsentiert wird. Ich habe es schon öfter geschrieben: Mörder sollten sich kurz fassen. Drittens ist der Film zu sehr eine Wiederholung des Originals, wenn auch eine voller cleverer Ideen und starker Momente. Um einen ersten Teil zu übertrumpfen muss ein Sequel aber wahrscheinlich ein größeres Risiko auf sich nehmen.

Schließlich könnte man auch noch bemängeln, dass „Scream 2“ eben nicht heftiger ist als „Scream“. Im Film diskutieren Filmstudent*innen über Sequels und einer sagt, dass diese sich durch ein „mehr“ auszeichnen: mehr Morde, mehr Blut, mehr Geschrei. Das stimmt in diesem Falle allerdings interessanterweise nicht. Trotzdem ist „Scream 2“ ein sehr sehenswerter Slasher: humorvoll, intelligent, spannend. Und außerdem etabliert dieser zweite Teil das Serienfeeling, das die Reihe bis heute hat. Fans können mit den Figuren mitwachsen, ihre Entwicklung verfolgen, mit ihren Lieblingen mitfiebern oder sich über ihre Hassobjekte aufregen. So gesehen hat „Scream 2“ dann doch einen ganz eigenständigen Beitrag für das Franchise geleistet. 

 

Trivia: Drehbuchautor Williamson reichte bei der Versteigerung seines Originaldrehbuchs zu „Scream“ eine fünfseitige Skizze für eine Fortsetzung ein, in der Hoffnung, Bieter mit dem Potenzial einer ganzen Filmreihe zu locken. Nach einer erfolgreichen Testvorführung von „Scream“ und dem finanziellen sowie kritischen Erfolg des Films trieb die Produktionsfirma Dimension die Produktion der Fortsetzung voran, während „Scream“ noch in den Kinos lief. Die Hauptdarsteller kehrten zurück, Craven führte Regie und Beltrami komponierte die Musik. Ergänzender Score stammte allerdings von Danny Elfman und Hans Zimmer.

Nachdem Williamson sein Drehbuch an die Produktion übergeben hatte, wurde es von einem Statisten vollständig im Internet veröffentlicht, wodurch die Identität der Mörder und ein Großteil der Handlung enthüllt wurden. Dies führte dazu, dass man die Dreharbeiten mit nur einem unvollständigen Drehbuch fortsetzte, während Williamson umfangreiche Überarbeitungen vornahm, wobei er große Teile des Filmfinales und die Identitäten der Mörder drastisch veränderte. Vielleicht erklärt das die nicht ganz so gelungene Auflösung.

Mit einem etwas höheren Budget als sein Vorgänger (24 statt 15 Millionen) spielte der zweite Teil ebenfalls gut 170 Millionen Dollar ein.

Trotz der Namensnennung führte Robert Rodriguez (u.a. „From Dusk Till Dawn“, „The Faculty“, „Sin City“) nicht Regie bei den Szenen von „Stab“, dem Film im Film. Diese wurden stattdessen ebenfalls von Wes Craven inszeniert. Daher erscheint Rodriguez' Name nicht im Abspann von „Scream 2“, sondern nur im Film selbst. 

Neve Campbell drehte Folgen der TV-Serie „Party of Five“ (1994 – 2000) montags und dienstags tagsüber und verbrachte Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag am Set von „Scream 2“, wobei die meisten Dreharbeiten nachts stattfanden. Sonntags arbeitete sie die ganze Nacht bis 6 Uhr morgens, ging dann für 15 Minuten nach Hause, um das Kunstblut abzuduschen, und fuhr sofort wieder ans Set von „Party of Five“, um den ganzen Tag ohne Schlaf zu drehen.

 

IMDB: 6.3 von 10

Letterboxd0-Rating: 3.3 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 4 von 

 

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