· 

Scream 4

Voll auf die Zwölf

 USA 2011

 Regie: Wes Craven     

 Laufzeit: 111 Minuten

 

Handlung: Fünfzehn Jahre nach den ersten „Ghostface“-Morden in Woodsboro kehrt Sidney Prescott in ihre Heimatstadt zurück, um ihr neues Buch über das Überleben von Traumata zu bewerben. Doch dann taucht ein neuer Ghostface-Killer auf, der es auf eine neue Gruppe von Teenagern abgesehen hat. Mittendrin: Sidneys Cousine Jill und ihr aufdringlicher Ex-Freund Trevor.

 

Besprechung: Ich sag’s gleich: Das ist neben dem ersten Teil mein liebster Scream-Film. Das Ideenfeuerwerk, das Kult-Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor Kevin Williamson (zusammen mit Ehren Kruger) hier abbrennen, lässt nichts zu wünschen übrig. Zum Repertoire des Films gehören Filmnerds mit dauerfilmender Web-Cam am Kopf, ein „Stabathon“, bei dem alle sieben Teile der fiktiven „Stab“-Reihe nacheinander in einer Scheune gezeigt werden, Film-im-Film-im-Film-Gags und die (sich nicht bewahrheitende) These, dass man einen Horrorfilm eigentlich nur als Homosexueller überleben kann. Dazu gibt es Anspielungen auf die damals schon wieder abklingende „Torture Porn“ Welle, Polizisten, die die Regeln des Genres kennen und trotzdem hinter die Fichte geführt werden, jede Menge coole Filmposter und wieder mal ein kniffliges Horrorfilm-Rätsel von Ghostface. 

Was den Film für mich außerdem so stark macht, ist das gelungene Nebeneinander von parodistischen Zügen, die die Darstellung bewusst ein wenig ins Seifenopernhafte kippen lassen, und erstaunlich brutalen Mordszenen, die mir auch beim vierten Rewatch einen Schauer über den Rücken jagen und die tatsächlich nicht lustig sind. Obendrein schafft der Film es sogar noch, Wärme zu transportieren, weil mir Charaktere wie der liebenswerte Sheriff Dewey, seine Kollegin Judy Hicks, die kampflustige Reporterin Gale Weathers oder eine zugleich traumatisierte und kampfstarke Sidney Prescott nicht egal sind. Auch die Teenager wirken oft liebenswert und – trotz teils aufgebrezeltem Tussitum – angenehm natürlich. 

Scream 4 – oder auch SCRE4M, ja so cool war man damals drauf! – schafft es, Woodsboro und seine Charaktere so wirken zu lassen, als existierten sie eigenständig auch jenseits der Filmreihe. Der Ort wirkt lebendig, hat seine eigene Sammlung an Geschichten: Die Menschen haben eine Vergangenheit und wirken vertraut miteinander. Alles wirkt wunderbar organisch, gerade wenn man die Inszenierung mit der von Scream 7 vergleicht, bei dem die gezeigte Kleinstadt unlebendig wirkt und die Teenager unverbunden und blass. Es ist interessant zu sehen, wie Teil 4 trotz etwas kürzerer Laufzeit viel mehr untergebracht bekommt, was zum Lachen bringt, zu Herzen geht, oder für Spannung sorgt. 

Die Auflösung und das doppelte Finale sind wild, aber im Rahmen der Reihe plausibel und gleichzeitig überraschend. Gerade am Anfang und am Ende dreht der Film ziemlich auf, so dass es klug war beim nächsten Teil – dem 11 Jahre später in die Kinos gekommenen „Scream“ – wieder ein bisschen runterzufahren. Eine weitere Steigerung hätte die Reihe zu sehr ins Burleske kippen lassen. Anders gesagt: Scream 4 ist am Anschlag und bietet alles, was zumindest ich von einem Scream-Film erwarte. Und davon reichlich.

 

Trivia: Das Drehbuch wurde wie schon bei Scream und Scream 2 von Kevin Williamson geschrieben. Der verließ allerdings nach einem Streit mit dem Produzenten Bob Weinstein die Produktion und man holte nun Ehren Kruger dazu, der bereits das Skript für Scream 3 verfasst hatte. Laut Williamson kam der Autorenwechsel wegen künstlerischer Differenzen zu Stande.

Die deutsche Synchronsprecherin für Sidney Prescott war in den ersten drei Teilen Veronika Neugebauer. Diese starb jedoch im Oktober 2009 an Darmkrebs. Zum ersten Mal musste die deutsche Stimme eines Hauptcharakters neu besetzt werden. In SCRE4M leiht Stefanie von Lerchenfeld Sidney Prescott/Neve Campbell ihre Stimme, die etwas weniger sanft und mädchenhaft ausfällt als die von Neugebauer, die damit wiederum näher an der Originalstimme von Campbell war,

Regisseur Wes Craven hat, wie auch in den ersten Teilen der Reihe, einen Cameoauftritt. Er ist einer der Besucher während Sidneys Lesung im Buchladen.

Etwa bei Minute sechs Minuten erklärt Jenny (Aimee Teegarden) Marnie (Britt Robertson) die Geschichte der Stab-Filme und sagt: „In Stab 5 gibt es Zeitreisen, und das ist mit Abstand der schlimmste Teil.“ Wes Craven hatte die Idee für Zeitreisen in Träumen bereits für Nightmare on Elm Street 4 (1988), aber das Studio lehnte sie ab.

Courteney Cox, die Gale Weathers spielt, und David Arquette, der Sheriff Dewey Riley spielt, heirateten 1999, nachdem sie sich während der Dreharbeiten zu „Scream“ (1996) kennengelernt hatten. Sie unterschrieben ihre Scheidungspapiere im Oktober 2010. Im Film spielen sie ein Liebespaar, und obwohl es leichte Spannungen am Set gegeben haben soll, gelang ihnen das gut. Beide blieben professionell und gingen respektvoll miteinander um.

Das ist der erste Scream-Film, in dem der Song „Red Right Hand“ von Nick Cave & The Bad Seeds nicht vorkommt.

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd0-Rating: 3.4 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 4.5 von 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0