Geheimnisvoll und steril
• Frankreich, Kanada 2006
• Regie: Christophe Gans
• Laufzeit: 125 Minuten
Handlung: Rose und Christopher machen sich Sorgen um ihre kleine Adoptivtochter Sharon. Sie hat häufig Alpträume, schlafwandelt und spricht dann von einer Stadt namens „Silent Hill“. Tagsüber malt sie sonderbare Bilder, die sie kurz darauf mit schwarzem Stift überkritzelt. Therapien und Medikamente haben keine positive Wirkung, aber dann findet Rose schließlich heraus, dass es „Silent Hill“ tatsächlich gibt: Es handelt sich um eine Geisterstadt in West Virginia, die nach einer Brandkatastrophe vor 30 Jahren unbewohnt ist. Gegen Christophers Willen macht sich Rose mit Sharon auf den Weg nach Silent Hill.
Besprechung: Bei diesem Film, der auf einer bekannten japanischen Horrorgame-Reihe basiert, bin ich zwiegespalten. Einerseits ist die
Ästhetik steril, glatt und kitschig, andererseits erzeugen die Settings und Kamerawinkel durchaus trotzdem Atmosphäre. Die Figuren sind flach und eher Typen als Charaktere. Star des Geschehens
ist eher die Story, die verwinkelt und geheimnisvoll genug ist, um einen trotz der langweiligen Figuren bei der Stange zu halten.
Nachdem der Abspann gelaufen war, hatte ich Lust, mich noch etwas intensiver mit der Geschichte von Silent Hill und auch mit dem Inhalt der Computerspiele zu befassen. Gleichzeitig hatte ich aber
auch das Gefühl, das Komplexität nicht Tiefe bedeuten muss, und es sich bei dem Storytelling hier in erster Linie um eine beherzte Mischung altbekannter Horrormythologien handelt: das sonderbare
Kind, die Geisterstadt, der fanatische Kult, das dunkle Geheimnis in der Vergangenheit, das sich noch heute auswirkt, das Böse, das aus Ausgrenzung und Unterdrückung entsteht – nichts davon ist
neu. Aber trotzdem wirkt der Film nicht nur ästhetisch, sondern auch inhaltlich einzigartig. Man kommt sich vor, als ob man einem Freund beim Zocken eines Survival-Horror-Games zuschaut,
einerseits mild gelangweilt, andererseits doch neugierig, was es mit diesem Raum und jenem Geschöpf auf sich hat.
Die Kreaturen, die hier auftauchen, sehen durchaus originell aus, und die Art der Inszenierung ist teilweise eigenständig genug, um frisch zu wirken. In den besten Momenten fühlt man sich hier
wie in einem intensiven Alptraum, in den schlechtesten wie in einem heruntergekurbelten Musikvideo der 2000er, mit dem eine New Metal Band seine Fans schocken wollte, dabei aber nur auf mäßige
Computereffekte und die Anmutung einer Geisterbahn setzen konnte.
Tatsächlich mag ich den Film genauso wie ich ihn nicht mag. Er zieht mich an und lässt mich kalt. Eine durchschnittliche Bewertung ist die Folge, obwohl „Silent Hill“ in seiner konsequenten
Künstlichkeit alles andere als Dutzendware ist.
Trivia: Der Film vermittelt stark die Atmosphäre der Spielreihe und lehnt sich auch inhaltlich eng an Teil 1 und 2 an. Allerdings gibt es
auch größere Abweichungen. So ist zum Beispiel im Computerspiel Silent Hill 1 die Hauptfigur der verwitwete Schriftsteller Harry Mason. Eine Rose kommt nicht vor. Und es gibt auch keine
Christabella. Fans der Spielreihe werden auch den Lake Amusement Park vermissen und feststellen, dass die Hintergrundgeschichte und das Ende verändert wurden.
Es dauerte fünf Jahre, bis Regisseur Christophe Gans die Filmrechte erhielt. Konami willigte endlich ein, nachdem Gans ein Video mit einem Interview geschickt hatte, in dem er seine Verbundenheit
zu Silent Hill zum Ausdruck bringt. Zusammen mit dem Interview übermittelte er Szenen, die er auf eigene Kosten gedreht, zusammengeschnitten und mit Musik aus den Spielen unterlegt hatte.
Schließlich konnte Gans mit einem Budget von 50 Millionen Dollar die Adaption realisieren, die an den Kinokassen 100 Millionen Dollar einspielte.
Abgesehen von Johnny Cashs „Ring of Fire“ stammen sämtliche Musiktitel des Films aus den Videospielen. Entsprechend hat bei der Filmmusik und den Soundeffekten des Films Akira Yamaoka maßgeblich
mitgearbeitet, der auch für den Sound der Silent-Hill-Spiele verantwortlich ist. An seiner Seite arbeitete aber auch noch der kanadische Komponist und Gitarrist Jeff Danna.
Es wurden rund 100 verschiedene Versionen von Roses Outfit angefertigt. Anfangs waren die Farben sanft und sommerlich, im Laufe des Films wurden sie grauer und schließlich blutrot. Die
Veränderungen waren so subtil, dass sie kaum auffielen.
Durch Kohlebrände unbewohnbare Geisterstädte gibt es auch in der Realität. Als Vorlage für „Silent Hill“ diente Centralia in Pennsylvania.
IMDB: 6.5 von 10
Letterboxd0-Rating: 3.1 von 5
Hopsy-Rating: 2.5 von 5

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