Gelungenes Requel
• USA 2022
• Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillet
• Laufzeit: 114 Minuten
Handlung: Fünfundzwanzig Jahre nachdem eine Reihe brutaler Morde die beschauliche Stadt Woodsboro erschüttert hat, treibt ein neuer Killer mit Ghostface-Maske sein Unwesen. Dabei scheint er es vor allem auf die Studentin Sam Carpenter und ihre jüngere Schwester Tara abgesehen zu haben. Und das hat einen Grund.
Besprechung: Horror-Legende Wes Craven hat die ersten vier Teile der Scream-Reihe gedreht. Dann starb er 2015 und es schien fraglich, wie es
weitergehen würde. Bis dann Bettinelli-Olpin und Gillet einen Neustart wagten, der Anfang 2022 unter dem schlichten Titel „Scream“ in die Kinos kam. Unter Fans der Reihe war die Aufregung groß:
Würde man den Geist der alten Filme wahren oder ganz neue Wege gehen? Konnte das überhaupt gut gehen?
Es ging gut, denn die Regisseure machten es genau richtig, indem sie die Stärken der bisherigen Scream-Reihe richtig erkannten und beibehielten, dabei aber mit leichten Modernisierungen dafür
sorgten, dass das Franchise frisch blieb. Bereits die Opening-Sequenz setzt den Ton. Mutig startet der Film mit einer Wiederholung der legendären Eröffnung aus Scream (1996): Wieder ist eine
junge Frau allein zu Hause, wieder klingt das Telefon, wieder will der Killer ein Spiel spielen, in dem es um die richtigen Antworten zu Fragen aus Horrorfilmen geht. Dabei hat sich die Technik
aber weiterentwickelt. Anders als im Film von 1996 wird obendrein munter getextet. Außerdem schaut die Angerufene mal kurz auf einer Filmdatenbank im Internet nach, um eine Frage richtig
beantwortet zu können. Und dann gibt sie auch noch zu verstehen, dass sie die lieber „elevated horror“ wie „Der Babadook“ schaut, als die vom Killer erwähnten Slasher-Filme. Schließlich
entwickelt sich die Situation einerseits ganz wie erwartet, andererseits aber auch nicht. Das ist ein starker Einstieg, der gleich klar macht: Wir wissen, was ihr wollt, und ihr bekommt
es.
Diesmal steht nicht Sidney Prescott (Neve Campbell) im Zentrum des Geschehens, sondern die deutlich jüngere Sam (Melissa Barrera), deren jüngere Schwester von Jenna Ortega verkörpert wird. Rund
um Sam gibt es einen kleinen Freundeskreis aus jungen Leuten, die altersmäßig näher an den Protagonist*innen des ersten Scream-Teils sind, der Neustart bringt also auch eine Verjüngung mit sich.
Das neue Ensemble ist durchaus gut gecastet und schauspielerisch auf der Höhe der Reihe. Nur ausgerechnet Melissa Barrera, die mit Sam die neue Identifikationsfigur abgeben soll, wirkt weder
sonderlich charismatisch noch irgendwie nahbar und zu Herzen gehend. Von allen Beteiligten sind ihre Schauspielkünste am ehesten zu kritisieren. Sie nutzt viel zu wenig die Macht der Blicke und
Augenbewegungen und wirkt dadurch tendenziell etwas leblos. Leider ist auch ihre Hintergrundgeschichte nicht gerade die starke Seite des Films.
Man kann auch bemängeln, dass die Plausibilität
hier (mal wieder) arg strapaziert wird. Was manche Charaktere einstecken und wie andere sich verhalten, erfordert eine gewisse Gutmütigkeit beim Publikum. Dafür wird es dann aber auch mit einem
gelungenen Mix aus Spannung, Humor und Selbstironie belohnt. Zusätzlich gibt es eine bittere Überraschung und abermals gelungene Reflexionen über den Stand des aktuellen Horrorkinos.
Das Finale schließt den Kreis zum Beginn: Wie im ersten Scream-Teil befinden wir uns wieder in der Macher-Villa, wieder gibt es eine Party, wieder geht mindestens ein Ghostface-Killer um. Und
doch läuft auch manches anders als erwartet. Fans können aufatmen: Scream bleibt die beste Slasher-Reihe. Neben Terrifier natürlich.
Trivia: Neve Campbell zögerte zunächst, zur Filmreihe zurückzukehren, insbesondere in einem neuen „Scream“-Film ohne Wes Craven als
Regisseur, da dieser aufgrund seines Todes weder Campbell noch den neuen Regisseuren seinen Segen geben konnte. Zum Umdenken brachte sie schließlich ein Brief von Matt Bettinelli-Olpin und Tyler
Gillett, in dem diese schrieben, wie viel Wes Craven und seine Filme ihnen als Filmemachern bedeuteten.
Ein Requel (Kofferwort aus „Remake“ und „Sequel“) ist eine
späte Fortsetzung eines bekannten Films, die ein Zwischending aus Neuauflage und direkter Fortsetzung ist. Es führt die ursprüngliche Geschichte fort, ignoriert oft Zwischenteile, bringt neue
Charaktere ein und führt „Legacy“-Darsteller (Originalbesetzung) zurück, um sowohl alte als auch neue Zuschauer anzusprechen
Aufgrund der Covid-Testauflagen konnte für den Film nur eine begrenzte Anzahl an Statisten eingesetzt werden, die in verschiedenen Szenen wiederverwendet werden mussten. Das erklärt, warum so
viele ältere Menschen auf der Feier zum Gedenken an einen Teenager zu sehen sind; sie waren eigentlich als Krankenhauspersonal engagiert worden.
Ganz am Ende des Films, wenn die Einblendung „Für Wes“ erscheint, ist Vogelgezwitscher zu hören. Dies liegt daran, dass Craven in seiner Freizeit ein begeisterter Vogelbeobachter und -liebhaber
war. Der Vogel ist eine Nachtschwalbe, ein Seelenführer, der die Seelen ins Jenseits geleitet.
IMDB: 6.3 von 10
Letterboxd0-Rating: 3.2 von 5
Hopsy-Rating: 4 von 5

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