· 

Scream 7

Wenig frische Ideen, viele saftige Morde

 USA 2026

 Regie: Kevin Williamson     

 Laufzeit: 114 Minuten

 

Handlung: Sidney Prescott hat sich trotz der traumatischen Vergangenheit in der Kleinstadt Woodsboro ein stabiles Leben aufgebaut. Ihr Mann ist ein freundlicher Polizist, ihre Tochter ein trotziger Teenager mit Selbstwertproblemen. Dann aber erhält Sidney den ersten verstörenden Anruf mit Stimmverzerrer, und kurz darauf treibt ein maskierter Killer sein Unwesen, der es eindeutig auf Sidney und ihre Familie abgesehen hat.  

 

Besprechung: Scream-Filme sind immer ein Ereignis. Was lassen sich die Macher diesmal einfallen, um die Spannung hochzuhalten, für Überraschungen zu sorgen und auch ausgebuffte Zuschauer zu erschrecken oder zum Lachen zu bringen? 

So sitze ich also gespannt gleich bei der Vorpremiere im Kino, die Jugendlichen haben noch Kommunikationsbedarf, zum Glück meist nicht mit ihren unmittelbaren Nachbar*innen, sondern mit nicht Anwesenden, die sie per WhatsApp auf dem Laufenden halten. Das Zeitalter der entrückten Gleichzeitigkeit. Egal, mal sehen, was sich Regisseur Kevin Williamson, der die Drehbücher für „Scream“, „Scream 2“ und „Scream 4“ schrieb, für die Eröffnung des neuen Teils hat einfallen lassen. Als die Opening-Sequenz vorbei ist, bin ich ernüchtert. Das ist spannend inszeniert und geht gut ab, aber es fehlt die Frische, die sich in den ersten zehn Minuten der letzten beiden Teile zeigte, dieses Gefühl, dass das Franchise immer noch relevant wirken kann.

Und so geht es leider weiter: nach dem Ghostface-Museum in der Macher-Villa inklusive „Stab“-Postern an den Wänden folgen weitere angestaubt wirkende Versuche, das Scream-Universum mit zeitgeistigem Leben zu füllen: ein Typ, der gerne einen True-Crime-Podcast machen will und natürlich manischer Sidney-Prescott-Fan ist, die Frage, wie das Trauma der Mutter die Tochter beeinflusst, oder die gute alte Gale Weathers, die als Reporterin eiskalt sein kann – das wirkt alles ein bisschen zu vertraut und naheliegend. Auch ein bisschen deep fake KI, das übliche Legacy-Geschwelge, ein paar erstaunlich halbherzige Meta-Einlagen und die Frage, ob Stu noch lebt, machen Scream 7 nicht gerade zu einem Ausbund an Kreativität. Und leider ist auch die Auflösung noch bescheuerter als in Scream 6. Ja, es ist ganz nett, nach dem New-York-Ausflug wieder in einer Kleinstadt (diesmal Pinegrove, nicht Woodsboro) zu sein, aber die typisch amerikanische Kleinstadt wurde auch schon mal besser verkauft. Die meist bei Nacht spielenden Szenen zeigen oft nur sehr wenige Menschen, bis auf eine Einkaufsstraße und vielleicht noch eine Bar, deren Ofen die Pizzen zu schnell verbrennt, wirken die Set-Pieces unglamourös und austauschbar. Es kommt noch nicht mal zu einer angekündigten Party, die dem immerhin 45 Millionen Dollar teuren Film ein bisschen lebendiger gemacht hätte.
 
Aber es gibt auch gutes über den aktuellen Teil zu sagen. So gefällt mir zum Beispiel, dass Neve Campell als Sidney Prescott nun wieder die Hauptfigur ist. Sie hat in meinen Augen mehr Charisma und Leinwandpräsenz als Melissa Barrera. Auch finde ich es nicht schlecht, dass der Film sich recht bodenständig gibt und nicht krampfhaft versucht, originell zu sein. Zurück zu den  Wurzeln, lautet die, halb  eingelöste Devise. Vor allem hat mir gefallen, dass der body count hoch ist, die kills kreativ sind und Ghostface wieder sehr brachial agiert. Der maskierte Killer hat einiges an Screentime und kommt dabei wirklich gut rüber. Die letzte halbe Stunde ist rasant, auch wenn ich mir ein noch spektakuläreres Finale gewünscht hätte, das dann die Schwächen des Drehbuchs einfach weggeblasen hätte. 
 
Für mich ist das der schwächste Eintrag in der Scream-Reihe, aber es ist immer noch ein ziemlich guter Slasher. Wer nicht zu viel erwartet, bekommt einen soliden "Scream"-Film der alten Schule.

 

Trivia: Kevin Williamson konnte Neve Campbell davon überzeugen ins Franchise zurückzukehren und die Hauptrolle zu spielen. Campbell wiederum konnte den früheren Scream-Drehbuchautor davon zu überzeugen, nicht nur das Skript zu Scream 7 zu verfassen, sondern den Film auch gleich selbst zu drehen.  

Sowohl „Scream“ (2022) als auch „Scream VI“ (2023) erwähnen, dass Sidney Prescott einen Ehemann namens Mark hat. Viele dachten, dabei müsse es sich um Detective Mark Kincaid handelte, den Patrick Dempsey in „Scream 3“ (2000) verkörperte. Die Regisseure von „Scream“ und „Scream VI“, Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, bestätigten dies in Interviews. Tatsächlich wollte Dempsey ursprünglich die Rolle in „Scream 7“ übernehmen, wurde aber nach eigener Aussage durch Terminkonflikte und die Waldbrände in Kalifornien nahe seines Hauses in Malibu daran gehindert. 

Laut Schauspieler Skeet Ulrich, der in drei Scream-Filmen mitgespielt hatte, war die ursprüngliche Idee für Scream 7, dass Sam Carpenter (Melissa Barrera), die Protagonistin der beiden vorherigen Filme, im Finale dieser Trilogie endlich ihre innere Dunkelheit annehmen sollte. Es sollte also ein Handlungsbogen über drei Filme sein, aber dann entließ die Produktionsfirma Spyglass Entertainment Barrera nach wiederholten Pro-Palästina-Postings, die in den Augen des Unternehmens eindeutig antisemitisch waren, die Barrera trotz Aufforderung aber nicht einstellte. Jenny Ortega stieg daraufhin (wohl aus Solidarität mit Barrera) ebenfalls aus dem Franchise aus. Horror-Fans sind seitdem in der Frage gespalten, ob der Rauswurf von Barrera berechtigt gewesen ist.

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd0-Rating: 2.6 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: von 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0