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Resident Evil: Welcome to Racoon City

Knallige und werkgetreue Computerspiel-Adaption

 Deutschland, USA, Kanada 2021

 Regie: Johannes Roberts     

 Laufzeit: 107 Minuten

 

Handlung: Racoon City war einst eine blühende Stadt, dann gab der Pharmariese Umbrella Corporation den Standort auf und ließ eine verarmte und dünn besiedelte Tristesse zurück. Dennoch kehrt Claire nach langer Abwesenheit hierhin zurück, um nach ihrem Bruder Chris zu sehen. Der arbeitet bei der lokalen Polizei. Und die bekommt in dieser Nacht jede Menge zu tun. Erst wird in der alten Spencer-Villa eine Leiche gefunden, dann wird eine Ausgangssperre verhängt und schließlich greifen mit einem Virus infizierte Menschen die Bevölkerung an. Claire, Chris und eine Gruppe von Polizist*innen muss sich dem entfesselten Grauen stellen und versucht die Wahrheit über Umbrella aufzudecken. 

 

Besprechung: Dieser Film basiert auf den ersten beiden „Resident Evil“ Computerspielen, die 1996 bzw. 1998 auf den Markt kamen. Entsprechend spielt er in dieser Zeit und beinhaltet einige Motive, die Kennerinnen der Spiele besser wahrnehmen und einordnen können als Nicht-Zocker. Ich habe in den späten 1990ern den ersten Teil ein paar Stunden gespielt, aber wie so oft bei Computerspielen nicht die Geduld gehabt, lange vor dem Bildschirm zu sitzen, um immer wieder das Gleiche zu wiederholen. Die Atmosphäre und die Hintergrundgeschichte von „Resident Evil“ haben mir aber gut gefallen, und ich denke, das beides in dieser Verfilmung deutlich besser transportiert wird als in der „Resident Evil“-Filmreihe mit Milla Jovovich.

Bei vielen Kritiker*innen fiel der Film aber genauso durch, wie diese anderen Adaptionen des Games, und die Bewertungen auf Filmplattformen wie letterboxd sind auch nicht gerade berauschend. Bemängelt wird, dass sich die flach gezeichneten Figuren doof verhalten, die Spezialeffekte nicht gut sind, die Handlung zerfasert und sich das Spiel eh nicht gut verfilmen lässt. Ich hingegen finde „Resident Evil: Welcome to Racoon City“ ziemlich unterhaltsam und sehe mehr Gutes als Schlechtes in dem Film. Zum Einen ist immer genug los, um keine Langeweile aufkommen zu lassen, zum anderen ist die sterbende Stadt „Racoon City“ ein cooles Setting, das die Phantasie anregt. Vor allem der Anfang im Kinderheim gerät überraschend gruselig, was auch an der tollen Filmmusik von Mark Korven (u.a. „The VVitch“, „Der Leuchtturm“, „Das erste Omen“) und der guten Kameraarbeit von Maxime Alexandre (u.a. „The Hills Have Eyes“ von 2006, „Mirrors“ und „Never Let Go“) liegt. 

Im Kern ist der komplett in der Nacht spielende Film ein Zombiestreifen, nur dass es hier Infizierte sind und die Geschichte etwas komplexer und mysteriöser ausfällt als in Zombiefilmen üblich. Die Szenen, in denen sich das kleine Polizeiteam in der Spencervilla mit Feuerwaffen gegen die von einem Virus in Bestien verwandelte Menschen zur Wehr setzt, sind ästhetisch sehr nah am 1996er-Spiel dran und fangen dessen Atmosphäre gut ein. Dass dabei viele Spezialeffekte aus dem Computer stammen, sorgt aber leider auch für etwas steril wirkende Schauwerte, zumal das CGI nur mittelmäßig gelungen ist. Vermutlich musste man mit dem Budget von 25 Millionen Dollar haushalten und hat dann mal wieder die Programmierer*innen zur Eile gedrängt, die mit mehr Zeit bessere Arbeit hätten leisten können.



 

Ich teile auch die Kritik, dass der Film sich etwas zerfasert, da er zwischen tendenziell zu vielen Charakteren springt, die dann jeweils zu wenig Zeit haben, um uns wirklich nahe zu kommen. Die Schauspielleistungen sind nicht schlecht, aber die Figuren bleiben oberflächlich. Lediglich Kaya Scodelario als Claire lädt mit ihrem ernsten Charisma zur Identifikation ein. Flacher als in vielen anderen Horrorfilmen sind die Figuren hier allerdings auch nicht, und deren Entscheidungen auch nicht überdurchschnittlich bescheuert. Tiefsinniger psychologischer Horror mit subtiler Atmosphäre ist das hier sicher nicht. Aber als ziemlich getreue Computerspiel-Adaption voller Referenzen und knalliger Unterhaltung ist „Resident Evil: Welcome to Racoon City“ durchaus gelungen.

 

Trivia: Regisseur Johannes Roberts, der gerade mit dem Affenhorror „Primate“ im Kino für Laune sorgt, ist ein großer John Carpenter-Fan und ließ sich für den Film von zwei Filmen Carpenters inspirieren: „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976) und „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980). In beiden trifft eine Gruppe von Charakteren, die sich unter Belagerung wiederfinden, aufeinander. Die Opening Credits von „Resident Evil: Welcome to Racoon City“ nutzen allerdings den Font eines anderen Carpenterfilms: „Die Fürsten der Dunkelheit“ (1987). Die Closing Credits wiederum nutzen Font und Farbe des Abspanns von „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982)

Der japanische Videospielentwickler Capcom stellte den Filmemachern ihre Baupläne zur Verfügung, um die Haupthallen der Spencer-Villa und des Racoon Police Departement nachzubauen.

Der Film enthält zahlreiche Referenzen auf die Computerspiele. So sieht man zum Beispiel am Anfang im Waisenhaus eine ältere Frau vor dem Fernseher, während im Hintergrund ein Poster hängt. Auf dem Poster ist ein Spray abgebildet, das im Spiel als Heilmittel dient, um Lebensenergie zurückzugewinnen. Ein anderes Beispiel: In der Spencer-Villa ist hinter Chris Redfield ein Gemälde zu sehen, das identisch ist mit einem Gemälde aus dem 2002er Remake des Videospiels „Resident Evil“. Auch Beethovens Mondschein-Sonata erklingt an einer Stelle im Film und erinnert an eine musikalische Untermalung aus dem Computerspiel.

 

IMDB: 5.2 von 10

Letterboxd0-Rating: 2.1 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3 von 5

 

 

 

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