Schmackhafter Independent-Gruseleintopf
• USA 2024
• Regie: Chris Stuckmann
• Laufzeit: 91 Minuten
Handlung: Riley, Laura, David und untersuchen für ihren Youtube-Kanal „Paranormal Paranoids“ die Geisterstadt Shelby Oaks und verschwinden
dort unter mysteriösen Umständen. Schließlich findet man drei Leichen, aber Riley bleibt verschwunden. Auf einer ebenfalls gefunden Kamera sind Aufnahmen einer verängstigten Riley zu sehen.
Zwölf Jahre später wird Rileys ältere Schwester Mia für eine Dokumentation über Rileys Verschwinden interviewt. Mia ist überzeugt, dass Riley noch lebt, und erzählt, dass Riley als Kind oft unter
Albträumen litt und glaubte, beobachtet zu werden. Natürlich führt Mias Weg noch einmal nach Shelby Oaks.
Besprechung: Das hier ist der erste Film von Chris Stuckmann, der sich vorher mit (Horror-)Filmbesprechungen auf seinem beliebten
youtube-Kanal einen Namen gemacht hat. Entsprechend waren die Erwartungen der Horrorfans groß und die Enttäuschung bei vielen ebenso. Vermutlich hat die Werbung auch etwas zu große Töne gespuckt.
Ich habe vorm Schauen kaum etwas Gutes über diesen Film gehört oder gelesen und war dann überrascht, dass er mir doch recht gut gefallen hat. Man kann über den Plot streiten, aber
verhaltensauffälliger – also wild aus dem Horrorfilmbaukasten zusammengewürfelter – als der vom hochgelobten „Weapons“ ist der hier auch nicht. Außerdem gibt es einige wirklich unheimliche
Momente und eine schöne Spannungskurve, die auch von soliden Schauspielleistungen unterstützt wird.
Klar, dieses Debüt mit einem Budget von gut einer Million Dollar ist eine kleine (von Mike Flanagan mitproduzierte) Independent-Produktion mit viel Herzblut und nicht so viel Erfahrung. Und
natürlich kann man das Spiel spielen „Immer wenn du den Einfluss eines Horrorfilms entdeckst, trink einen Schnaps“ (und ist nach schlanken 79 Minuten plus Abspann) definitiv betrunken. Von
bekannten Filmen wie „Blair Witch Project“ und „Insidious“ über mäßig bekannte wie „Silent Hill“ bis hin zu Geheimtipps wie „Lake Mungo“ und „Gonijam – Haunted Asylum“ wird man hier einiges
wiedererkennen. Aber dieses „kommt mir bekannt vor“-Gefühl stellt sich ja bei den meisten Horrorfilmen ein, und ich habe auf jeden Fall schon etliche gesehen, die schlechter geschrieben, gespielt
und inszeniert sind. Vor allem hat Stuckmann ein Gespür für Grusel, der durchschnittlich inspirierte Szenen über den Durchschnitt hebt. Das Ende hat mir nicht so gut gefallen, war aber okay. Und
der Wechsel von found footage zu Normalfilm mag etwas gewöhnungsbedürftig sein, hat mich aber nicht gestört. Im Gegenteil: Ich finde den Umgang mit diesen Stilmitteln hier gelungen.
Gebt Shelby Oaks eine Chance. Notfalls mit Freunden und 1-2 Flaschen Schnaps.
Trivia: Der Film wurde durch eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Das ursprüngliche Finanzierungsziel von 250.000 US-Dollar wurde innerhalb
von 24 Stunden erreicht. Nach einem Monat hatte die Kampagne insgesamt 1.390.845 US-Dollar von 14.720 Unterstützern zugesagt bekommen – was „Shelby Oaks“ zum erfolgreichsten Horrorfilm auf
Kickstarter machte. Auf einem der Werbeplakate für den Film waren die Namen aller Unterstützer*innen versteckt.
Etwa acht Monate nachdem NEON die Filmrechte erworben hatte, organisierten sie nach Lektüre des Originaldrehbuchs und dem Wunsch, Stuckmann die Möglichkeit zu geben, besonders blutige Szenen zu
drehen, die mit dem ursprünglichen Budget nicht realisierbar gewesen wären, drei zusätzliche Drehtage für über eine Million Dollar. Außerdem engagierten sie Filmeditor Brett W. Bachman, um dem
fertigen Film einen frischen und überarbeiteten Schnitt zu verpassen.
Camille Sullivan spielte 2020 die Hauptrolle in dem Horrorfilm „Hunter Hunter“, der von Stuckman auf seinem youtube-Kanal als einer der besten des Jahres gelobt wurde. Dabei hob er besonders
Sullivans Performance hervor. Wenige Jahre später konnte Stuckmann Sullivan als Hauptdarstellerin für sein Regiedebüt „Shelby Oaks“ gewinnen.
Die Gefängnisszenen wurden in der Ohio State Reformatory (auch bekannt als Mansfield Reformatory) in Mansfield, Ohio, gedreht. Dieses historische Gefängnis wurde 1990 geschlossen und diente als
Drehort für zahlreiche Filme und Fernsehproduktionen, darunter Klassiker wie „Die Verurteilten“. Die Gefängnistore, auf die Mia zugeht, sind allerdings nicht die echten Tore, sondern eine Kulisse
aus dem Film „Air Force One“ von 1997, die sich noch immer auf dem Gefängnisgelände befindet. Das Gefängnis gilt vielen als Spukort. Es werden dort neben historischen Führungen auch
„Geisterführungen“ angeboten.
IMDB: 5.4 von 10
Letterboxd0-Rating: 2.6 von 5
Hopsy-Rating: 3 von 5

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