Charmantes Prequel zu Rosemaries Baby
• USA 2024
• Regie: Natalie Erika James
• Laufzeit: 104 Minuten
Handlung: New York City 1965. Die Tänzerin Terry bricht sich während einer Show den Knöchel und hat danach Probleme, Engagements zu finden. Abhängig von Schmerzmitteln und finanziell in einer misslichen Lage, bricht sie nach einem besonders demütigenden Vortanzen vor dem Bramford-Apartementkomplex zusammen und erhält Hilfe von einem älteren Ehepaar. Minnie und Roman, die selbst kinderlos sind, bieten der angeschlagenen Tänzerin Unterstützung und eine Wohnung an, bis sie wieder in Form ist. Natürlich haben sie dabei finstere Hintergedanken.
Besprechung: Es dürfte nicht viele Menschen geben, die sich explizit ein Prequel zu „Rosemaries Baby“ gewünscht haben. Der Film wirkt in
sich abgeschlossen, was gibt es da noch zu erzählen? Auch hat eine Vorgeschichte das Problem, dass wir ja schon wissen, wie es weitergeht. Allzu große Überraschungen sind also nicht zu
erwarten. Und so erzählt Apartment 7a dann auch tatsächlich noch mal eine ähnliche Geschichte wie der berühmte Film, den Roman Polanski 1968 in die Kinos brachte. Braucht man also dieses
Prequel? Nein. Ist es ein guter Film? Doch, das schon.
Das liegt vor allem an Julia Garner, die in ihrer Rolle als Terry viele Facetten ihres schauspielerischen Talents zeigen kann, und die mir sympathischer und näher ist als die
Rosemarie im Polanski-Film. Anders als Rosemarie hat Terry ein eigenes Ziel im Leben. Sie ist nicht nur ein mädchenhaftes Anhängsel eines Mannes, der Karriere machen will, sondern will selbst
Karriere machen. Gerade durch diese Ambitionen und den Schicksalsschlag zu Beginn, finde ich es leichter, mit Terry zu sympathisieren, als mit der etwas drögen Rosemarie. Was den
Film für heutige Sehgewohnheiten sicher auch attraktiv macht, sind die Horrormomente, die etwas grafischer und zahlreicher ausfallen als beim in dieser Hinsicht sehr zurückhaltende Klassiker.
Dafür ist die Spirale der Paranoia bei weitem nicht so intensiv wie in „Rosemaries Baby“, und die Frage, ob der ganze Spuk womöglich nur im Kopf der Hauptfigur stattfindet,
stellt sich erst gar nicht.
Gut gefallen hat mir, dass „Apartement 7a“ ein paar eigene Akzente setzt: ein paar gut choreografierte Tanzszenen, weibliche Freundschaft und weiblicher Konkurrenzkampf, k.o.-Tropfen und
das Thema Abtreibung. Das ist alles gut in Szene gesetzt und teilweise ziemlich unangenehm. Auch Minnie und Roman (verkörpert von Dianne Wiest und Kevin McNally) und ihr Satanskult
machen Freude, sind aber nur eine nett gemachte Kopie der übermächtigen Vorlage. Hier bleiben eigene Akzente aus, so wie der Film insgesamt eher wie eine Hommage als wie eine eigene Vision
wirkt.
Natalie Erika James, die vorher mit ihrem psychologischen Horrorfilm „Relic“ Anerkennung bei Fans und Kritiker*innen fand, hat einen sehenswerten Gruselfilm geschaffen, der
kompetent inszeniert und teilweise richtig gut gespielt ist, der aber unter dem Vergleich mit dem Klassiker und der Vorhersehbarkeit eines Prequels leidet. Da ich kein Meisterwerk
erwartet habe, war ich eher positiv überrascht und habe mich an abweichenden Details und kleinen Anspielungen erfreut. Das Erschreckendste an Apartement 7a ist aber wohl, dass auch heutzutage die
Ohnmacht einer jungen Frau in den sie umgebenden Strukturen nur allzu plausibel wirkt.
Trivia: Die Figur der Terry taucht tatsächlich in „Rosemaries Baby“ einmal kurz auf und spricht dort in der Waschküche im Keller des
Appartement-Komplexes mit Rosemarie darüber, wie die Castevets sie aufgenommen haben.
Bereits 2008 arbeiteten die Produzenten Michael Bay, Andrew Form und Brad Fuller an der Entwicklung eines Remakes von „Rosemaries Baby“, verwarfen das Projekt aber noch im selben
Jahr. „Apartement 7a“ wurde schließlich von John Krasinski, Allyson Seeger und eben Bay, Form und Fuller produziert, und zwar als Joint-Venture von Paramount Players, Sunday Night Productions und
Platinum Dunes.
Eine für das Fernsehen produzierte Fortsetzung mit dem Titel „Look What's Happened to Rosemary's Baby“ erschien 1976, gefolgt von einer NBC-Miniserie im Jahr 2014. Gesehen habe
ich beide Anverwandlungen des Stoffes nicht.
Dianne Wiest spielte bereits in so unterschiedlichen Filmen wie „Independence Day“, „Footloose“, „Hannah und ihre Schwestern“ und „The Lost
Boys“ mit.
Ein Großteil des Films wurde in London gedreht.
IMDB: 5.9 von 10
Letterboxd0-Rating: 2.7 von 5
Hopsy-Rating: 3.5 von 5

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