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Primate

Straighter Affenhorror

 USA  2025

 Regie: Johannes Roberts     

 Laufzeit: 89 Minuten

 

Handlung: Lucy kehrt mit ein paar Freundinnen und einem heißen Typen in den Semesterferien ins Haus ihres Vaters auf Hawaii zurück. Dort gibt es einen Pool, eine kleine Schwester, und den Schimpansen Ben. Der infiziert sich leider mit Tollwut und mutiert zur mörderischen Bestie.

 

Besprechung: Gleich vorweg: Das ist kein Film, um in Seminaren auf seine tieferen Bedeutungsebenen abgeklopft zu werden. Das ist auch kein soziologischer Kommentar zu den Themenfeldern „Rassismus“, „Speziesismus“, „Ableismus“ oder „postcolonial studies“. „Primate“ ist einfach ein straighter Tierhorror-Reißer, der es schafft, mit der liebevollen Umsetzung einer basalen Geschichte nicht eine Sekunde zu langweilen.

Zu der liebevollen Umsetzung gehören ein augenschmeichelndes Setting und junge, augenschmeichelnde Menschen, die zum Glück weitgehend freundlich zueinander sind, sich nicht übermäßig dumm anstellen und sowohl glaubhaft lebensfroh als auch glaubhaft panisch wirken können. Zumindest mir sind diese jungen Leute nicht egal, was für einen Film dieser Art schon viel Wert ist. Der Affe selbst ist stark in Szene gesetzt. Die Entscheidung für einen Darsteller im Kostüm war genau die richtige. Auch wenn man sieht, dass die Kreatur nicht die Proportionen eines echten Schimpansen hat, hat mich das nicht gestört, sondern die monströse Aura des Tiers unterstützt. Auch die Bewegungsabläufe sind sicher nicht zu 100 Prozent typisch für einen Schimpansen, aber auch das passt für mich, da Ben ja zum einen schon lange bei Menschen lebt und sich an sie angepasst hat, und obendrein gerade an einer heftigen Krankheit leidet, die ihn in den Irrsinn treibt. Man hätte den Affen womöglich am Anfang noch etwas länger als freundlichen Mitbewohner präsentieren sollen, so dass der Wechsel beunruhigender und tragischer wirkt. So blitzt die Tragik des wildgewordenen Affen nur selten und zurückhaltend auf. Man muss dafür empfänglich sein, sonst sieht man da einfach nur einen gnadenlosen Killer. Und klar ist auch: Schimpansen- wie Tollwut-Experten werden an der Darstellung sicher einiges zu bemängeln wissen.

Mich schert es nicht: Die praktischen Effekte sind großartig, der Score cool, die Kameraarbeit geschickt und Pacing und Suspense überdurchschnittlich. Obwohl "Primate" einerseits das Zeug zum feuchtfröhlichen Partyfilm hat, ist er andererseits erstaunlich hart und ernst und manchmal sogar unheimlich. Kurz: Das ist genau die Art Film, die man am besten zu später Stunde in einem lauschigen Programmkino wie dem Hamburger „B-Movie“, dem „Abaton“ oder „Studio-Kino“ sieht. Am besten im Kreis von Menschen, die genau auf diesen schlichten und angenehm altmodischen Affenhorrorfilm Lust haben.

 

Trivia: Ben wird von dem Schauspieler Miguel Torres Umba verkörpert. Das Filmteam nutzte Prothesen und Animatronik-Elemente, um ihn in ein furchteinflößendes Tier zu verwandeln. Regisseur Roberts erklärte, dass er vor allem vom Film „Cujo“ beeindruckt und inspiriert gewesen sei, wo der tollwütige Hund auch ohne Computergrafiken gestaltet worden sei. Roberts erklärte weiter, dass es ihm wichtig gewesen sei, Ben eine richtige Persönlichkeit zu verleihen. Dazu arbeitete Torres Umbra eng mit einem Bewegungscoach und dem Stuntteam zusammen. 

Regisseur Johannes Roberts erzählt, dass er und die Produzenten Walter Hamada und John Hodges in letzter Minute alles umgeschrieben haben. Vor 15 Jahren hatte Roberts mit dem Drehbuch zu Primate begonnen, und dann -- eine Woche vor Drehbeginn -- wurde es noch einmal tiefgehend  umegschrieben. Der Grund war, dass man einen Charakter – anders als geplant – sterben lassen wollte, um zu demonstrieren, dass der Affe nicht mit ein paar beherzten Handgriffen auszuschalten ist. Dieser Tod sollte klar machen, warum die Überlebenden sich so wenig angriffslustig gegenüber dem tollwütigen Schimpansen zeigen. 

Troy Kotsur, der Lucys taubstummen Vater spielt, ist auch im echten Leben gehörlos.

Auf Hawaii ist es verboten, Schimpansen als Haustiere zu halten. Und es gibt auf der Inselkette, die zugleich ein US-Bundesstaat ist, auch keine Tollwut.

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd0-Rating: 2.6 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

 

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