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Audition (Mit Audio)

Tiefgehender Angriff auf die Männerwelt    

 Japan 1999

 Regie: Takashi Miike   

 Laufzeit: 115 Minuten

 

Handlung: Sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau sucht der 42jährige Shigeharu Rat bei einem Kollegen, wie er eine neue (möglichst perfekt passende) Frau finden kann. Der nutzt seine Position in einer Filmproduktionsfirma und organisiert ein Fake-Casting. Bei den Gesprächen mit mehreren Frauen ist Shigeharu von der stillen Asami fasziniert. Das Anbändeln mit der jungen Schönheit verläuft anfangs erstaunlich unkompliziert. Doch man sagt, stille Wasser sind tief.

 

Besprechung: Das ist der wohl bekannteste Film von Takashi Miike, einem hochproduktiven Vielfilmer und berüchtigten Enfant terrible des japanischen Kinos. „Audition“ ist langsam und ruhig erzählt und mischt ein paar leicht komische Momente in seine ansonsten eher melancholische Grundstimmung. Horrorfans auf der Suche nach dem schnellen Kick dürften während der ersten Hälfte des Films einschlafen. Nach japanischem Verständnis ist das auch gar kein Horrorfilm, denn dafür müssten Geister oder Dämonen eine Rolle spielen.

Vermutlich gerade wegen der ruhigen Art, in der „Audition“ ein nach und nach sonderbar werdendes Drama erzählt, hat mich der Film bei der Erstsichtung im Alter von 28 Jahren voll erwischt. Lange habe ich mich nicht so unwohl und irgendwie auch ertappt gefühlt. Miike zielt mit diesem unerbittlichen Film tief in die Psyche des Heteromannes, dorthin, wo sich die Abwertung von Frauen hinter romantischer Verklärung versteckt, und die Angst vor ihnen hinter so subtilen wie anmaßenden Kontrollversuchen. Dabei kommt der Film keineswegs pädagogisch oder offen feministisch daher. Es geht nicht vorrangig um „gut“ und „böse“, um „schuldig“ oder „nicht schuldig“. „Audition“ erzählt in einer eigenwilligen Mischung aus subtilem Tiefsinn und greller Oberfläche von den patriarchalen Strukturen, den daraus erwachsenden psychosexuellen Mustern, den Projektionen, mit denen sich Männer und Frauen in Intimbeziehungen übermalen, und wie sich dabei Opfer- und Täterschaft zu einem kaum lösbaren Knäuel verstricken. 

Das ist zurückhaltend, durchdacht und elegant gefilmt. Nicht selten hat der Film die Subtilität einer Arthouse-Produktion. Beim ersten Sehen bekommt man wahrscheinlich vieles gar nicht mit. Umso verstörender wirkt es dann, wenn „Audition“ seine Zurückhaltung verliert und in eine deutlich lautere Tonalität verfällt.

Heute wirkt der Film emotional bei Weitem nicht mehr so stark auf mich wie damals. Dafür kann ich mich viel mehr an interessanten Details erfreuen und an der psychologischen Klugheit, mit der diese Geschichte komponiert wurde. „Audition“ ist ein merkwürdiger, ja ein einzigartiger Film. Und trotz kleiner Holprigkeiten in meinen Augen ein Kunstwerk.

 

Trivia: „Audition“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ryû Murakami. Der Autor erklärte, sein Buch sein als Brief an eine Frau zu verstehen, mit der er eine verstörende Beziehung hatte. Miike wiederum beschrieb seine Verfilmung als Brief an Murakami selbst. 

Quentin Tarantino lobte „Audition“ als „a true masterpiece if ever there was one.“ Rob Zombie nannte den Film „the most creepy and unsettling of any horror movie I ever watched“. Und Eli Roth verschaffte Miike einen Cameo-Auftritt in „Hostel“, denn er sah in „Audition“ eine wichtige Inspiration für seinen torture porn. Auch die Soska-Sisters („American Mary“, „See No Evil 2“, „Rabid“) nennen „Audition“ als einen wichtigen Einfluss auf ihr eigenes Schaffen.

Der Film wurde innerhalb von drei Wochen in Tokio gedreht, was für eine Miike-Produktion schon lang war. Der Regisseur griff dabei überwiegend auf Schauspieler*innen aus früheren Projekten zurück. Für die Rolle der Asami gewann er jedoch Eihi Shiina dazu, die vor ihrer Filmkarriere als Model gearbeitet hatte.

 

IMDB: 7.1 von 10

Letterboxd0-Rating: 3.8 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 4.5 von 5

 

 

 

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