Pfiffiger Meta-Horror
• USA 2011
• Regie: Drew Goddard
• Laufzeit: 95 Minuten
Handlung: Man glaubt, man kennt die Geschichte: Fünf junge Leute fahren für ein spaßiges Wochenende in eine abgelegene Waldhütte. Im Keller finden sie sonderbare Antiquitäten und ein Tagebuch, aus dem sie besser nicht laut vorlesen sollten. Zumindest nicht auch noch die Passage auf Latein. Dass sie es trotzdem tun, erwarten wir natürlich. Was dann noch so passiert allerdings nicht.
Besprechung: Das ist ein allseits beliebter Film, den nicht nur Horrorfans mögen. Seine originelle Grundidee, sein erfrischendes
Spiel mit Horrorkonventionen, die gute Darstellerriege, die drolligen Charaktere und die hübschen praktischen Effekte haben dem Film viel Lob sowohl von professionellen
Filmkritiker*innen als auch den Zuschauer*innen eingebracht. Ich aber bin mit „The Cabin in the Woods“ nie ganz warm geworden.
Auch jetzt beim dritten Gucken ging es mir wie bei den beiden vorherigen Malen. Anfangs dachte ich: „Das ist doch wirklich gut gemacht. Ansprechend gefilmt, cooler Soundtrack, die Charaktere sind
auf ihre Weise liebenswert.“ Kiffer Marty fand ich allerdings von Anfang kaum lustig, aber gestört hat er mich auch nicht. Bei zunehmender Laufzeit schlich sich aber wieder dieses Gefühl
von Distanz zum Geschehen ein, was mit der Konstruktion der Geschichte zu tun hat. Das ist ein verkopfter Film, der einem augenzwinkernd auf die Schulter klopft und
fragt: „Kennste? Kennste?“ Solche Referenzen und Eastereggs finde ich nicht per se schlecht oder uninteressant, aber sie sind auch weder lustig noch spannend, sondern einfach ein netter Bonus.
Der Humor von „The Cabin in the Woods“ ist nicht dumm, aber wirklich lachen musste ich nur einmal, und zwar als nach Japan umgeschaltet wird (Stichwort: Schulklasse). Hier nimmt
sich der Film einmal die anarchische Freiheit, die Phantasie zur Überzeichnung der Realität zu nutzen, anstatt brav die tropes abzuarbeiten.
Auch der Horroraspekt von „The Cabin in the Woods“ zieht für mich nur halb. Die Szene im Keller der Hütte als die fünf das Tagebuch entdecken, ist tatsächlich etwas unheimlich,
und auch der Weg bis dahin enthält eine angenehme – ja auch vertraute – Vorspannung. Die folgenden Horrorszenen sind aber oft viel zu dunkel gefilmt und wirken nicht so, als ob die Macher hier
wirklich jemand verängstigen wollen. Ich kann es gar nicht ganz genau benennen, aber es fehlt etwas. Später kommt dann neben guten praktischen Effekten, auch nicht ganz so beeindruckende
CGI dazu, aber da will der Film eh nicht mehr gruselig sein.
Schließlich wird die Handlung konsequent und durchaus spektakulär zu Ende geführt. Gelangweilt habe ich mich dabei nicht, dazu ist einfach zu viel los. Für einen Moment war ich
sogar emotional beteiligt und habe einen Hauch Tragik in dem überdrehten Szenario wahrgenommen. Bei einem Film gibt es aber immer auch noch das Danach. Wie lange wirkt er weiter? Wie erkläre ich
mir das Geschehen? Und da schneidet „The Cabin in the Woods“ bei mir auch zum dritten Mal nicht so gut ab. Denn je länger ich über die Story nachdenke, desto blödsinniger und halbherzig
konstruierter erscheint sie mir. Natürlich kann man sagen: „Das soll doch so. Was erwartest du denn?“ Aber ich finde, wenn ein Film sich an einer liebevollen Dekonstruktion des
Horrorgenres versucht, sollte er an Intelligenz nicht geizen.
Viele werden mit „The Cabin in the Woods“ richtig Spaß haben können und sollten sich von meiner mangelnden Begeisterung vom Gucken des Films nicht abhalten lassen. Denn schlecht ist er
keineswegs und auf jeden Fall einmal anders.
Trivia: Das Drehbuch zu „The Cabin in the Woods“ schrieb Drew Goddard zusammen mit Jess Whedon, der als Drehbuchautor und Regisseur (unter
anderem für die Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“) schon einen Namen hatte. Beide kamen gerade aus gescheiterten Filmprojekten, setzten sich in ein Hotelzimmer und verfassten das
gesamte Drehbuch in drei Tagen. Dabei entwickelten sie über 60 unterschiedliche Monstertypen.
Der Film sollte ursprünglich am 23. Oktober 2009 erscheinen, wurde dann aber von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) und United Artists (UA) auf den 5. Februar 2010 verschoben und
schließlich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. 2011 erwarb Lionsgate Films die Vertriebsrechte und so konnte „The Cabin in the Woods“ im Dezember 2011 auf
dem Butt-Numb-A-Thon Filmfestival in Austin, Texas, endlich Premiere feiern. Am 13. April 2012 kam der Film regulär in die US-Kinos und spielte bei einem Budget von 30 Millionen Dollar
schließlich weltweit 66,5 Millionen Dollar ein.
Die fehlgeschlagenen Rituale aus anderen Ländern sind Anspielungen auf verschiedene Horrorfilmklassiker. Das Kyoto-Ritual ist eine Anspielung auf „Ringu“. Das Ritual in Buenos
Aires ist eine Anspielung auf King Kong. Das Stockholmer Ritual ist eine Anspielung auf John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Beim Madrider Ritual bin ich allerdings ratlos.
Heather Langenkamp, die 1984 die Nancy in „Nightmare – Mörderische Träume spielte“, betreibt zusammen mit ihrem Ehemann David L. Anderson das AFX Studio, das die verschiedenen Kreaturen und
Make-up-Effekte für „The Cabin in the Woods“ gestaltet hat.
Schauspieler Fran Kranz absolvierte ein intensives Requisiten- und Verhaltenstraining, um die Kiffer-Persönlichkeit von Marty authentisch darzustellen. Er erhielt von Experten
eine zweistündige Session im Jointdrehen und eine separate Übung im Anzünden einer Bong. Neben der berühmten Reisebong im Becherformat sind im Film noch andere
Marihuana-Utensilien zu sehen. Dazu gehören Martys Vorrat, sein geheimer Vorrat, eine kleinere Pfeife, ein Tulpen-Joint und ein Joint in seiner Hosentasche. Das Requisitenteam entwarf sogar
eigens für den Film produzierte „Smiling Buddha“-Zigaretten-Papiere.
IMDB: 7 von 10
Letterboxd-Rating: 3.4 von 5
Hopsy-Rating: 3 von 5

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