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Das Pendel des Todes

Mord, Wahnsinn, Vincent Price

USA 1961

 Regie: Roger Corman     

 Laufzeit: 80 Minuten

 

Handlung: Ein Mann namens Francis sucht im Spanien des 16. Jahrhunderts ein entlegen an den Meeresklippen liegendes Schloss auf, um den rätselhaften Umständen des Ablebens seiner Schwester auf den Grund zu gehen. Der Ehemann der Verstorbenen scheint in tiefer Trauer, aber Francis traut ihm nicht. Schließlich ist der Witwer (und zugleich Schlossherr) der Sohn eines grausamen Inquisitors, der seine eigene Frau im Keller zu Tode gefoltert haben soll. 

 

Besprechung: Schon der Vorspann mit seinen psychedelischen Farbverläufen und der modern wirkenden Musik erschafft eine Atmosphäre, der ich mich gern hingebe. Und wenn dann in den ersten Minuten das gemalt wirkende Schloss am Meeresstrand sichtbar wird, bin ich voll drin in dieser wundervollen „Corman-verfilmt-Poe“-Welt, die gleichzeitig unheimlich und heimelig ist. „Das Pendel des Todes“ überzeugt mit einem toll eingerichteten, gefilmten und colorierten Herrschaftssitz inklusive Geheimgang, Folterkeller und Gruft. Die Farbdramaturgie ist ein Fest für entsprechend sensibilisierte Menschen, und die Kameraarbeit von Floyd Crosby holt aus den Settings viel raus. Überhaupt schafft es der Film, trotz seiner wenigen Schauplätze, dank zweier Rückblenden und gelegentlichen Einblendungen von Außenaufnahmen einigermaßen abwechslungsreich zu wirken.

 Die Poe-Vorlage ist so kurz, dass Autor und Drehbuchschreiber Richard Matheson für die Verfilmung eine deutlich erweiterte Geschichte um Eifersucht, Sadismus und Kindheitstraumata entwickeln musste, die in meinen Augen gelungen ist, und Vincent Price ausreichend Gelegenheit bietet, sein Pathos zwischen Sanftmut, Entsetzen und Wahnsinn unter Beweis zu stellen. Die Grenze zum Overacting wird wiederholt eingerissen, aber Price hat ein unverwechselbares Charisma, dass in meinen Augen diese Theatralik zu einem besonderen schwarz-romantischen Genuss macht. Dieser wird hier noch verstärkt durch Barbara Steele, die zwar nur wenig screentime hat, diese aber mit ihrer Präsenz stark zu füllen weiß.

Weniger überzeugend finde ich John Kerr, der den jungen Helden spielt. Das liegt zum einen daran, dass seine Rolle zu eindimensional geschrieben ist. Zum anderen aber auch daran, dass er in seiner Darstellung des so skeptischen wie hochmütigen Bruders der verstorbenen Elisabeth nur wenig Nuancen einbringt. Er wirkt einfach nicht sympathisch, wenn er seine Gastgeber von Anfang an mit fordernden Fragen bombardiert und ihnen unterstellt, etwas zu verschweigen. Es fehlt der Figur an Geschmeidigkeit und Wärme, die dem Film mehr Energie und Spannung verliehen hätte.

Im letzten Drittel des Films gibt es eine genuin gruselige Szene, die mich als Kind und Jugendlicher lange verfolgt hätte. (Der Film hat heute eine FSK von 12, während er früher keine Jugendfreigabe hatte – das zeigt recht schön den Wandel der Sehgewohnheiten). Diese Szene finde ich so gelungen, dass das eigentliche Finale, das sicher den Höhepunkt darstellen soll, dagegen abfällt. Das Pendel ist zwar stark in Szene gesetzt, es fehlt aber der Aspekt, der die Poe-Geschichte so zeitlos macht: Die Einsamkeit des Gefolterten, der über sein Stück für Stück näherkommendes Ende nachsinnen muss. Denn darin wird der Protagonist von „Die Grube und das Pendel“ zum Stellvertreter aller Menschen, die nicht nur sterben müssen, sondern sich dessen auch bewusst sind. Auf uns alle kommt das Pendel zu, näher und näher, tick, tick, tick.

 

Trivia: Der Film wurde in 15 Tagen mit einem Budget von 300.000 Dollar realisiert, was auch damals nicht viel Geld war. Den kurzen Außenprolog des Films drehte man an der Küste von Palos Verdes. Der Rest der Produktion entstand in vier Soundstages der California Studios in Hollywood. Um den geplanten Kamerabewegungen größtmögliche Freiheit zu ermöglichen, entwarf Daniel Haller ein mehrstöckiges und geräumiges Schloss-Set.

Obwohl das Pendel im Film eine Requisite aus Holz mit einer Gummiklinge war, hatte Schauspieler John Kerr Bedenken, sich unter dieser Apparatur auf einen Tisch festschnallen zu lassen. Um zu beweisen, dass alles völlig sicher war, sprang Regisseur Roger Corman während des Aufbaus der Szene für Kerr ein.
 
Zur Vermarktung des Films wurden in großen US-Städten riesige Papppendel an den Leuchtreklamen der Kinos angebracht und in eine ständige Bewegung versetzt, wobei ihre Flügel bedrohlich direkt über den Köpfen der vorbeigehenden Fußgänger hin und her schwangen.

Um die Laufzeit etwas zu strecken, wurde für spätere TV-Ausstrahlungen ein Prolog ergänzt. Von den Darsteller*innen stand allerdings nur Luana Anders zur Verfügung, so dass man mit ihr eine Szene in einer Irrenanstalt drehte. Als weitere Darsteller*innen treten darin Sid Haig und Martine Bartlett auf. Letztere singt als eine Insassin der Anstalt Ophelias Lied „How Should I Your True Love know?“ (die Walsingham-Ballade) aus „Hamlet“.

 

IMDB: 7 von 10

Letterboxd-Rating: 3.5 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

 

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