„Scream“ meets „Zurück in die Zukunft“
• USA 2023
• Regie: Nahnatchka Khan
• Laufzeit: 105 Minuten
Handlung: Als der berüchtigte „Sweet Sixteen Killer“ 35 Jahre nach seiner ersten Mordserie zurückkehrt, um ein weiteres Opfer zu fordern, reist die 17-jährige Jamie mit der Zeitmaschine einer genialen Freundin in die Vergangenheit ins Jahr 1987 zurück. Sie ist fest entschlossen, den Killer aufzuhalten, bevor er überhaupt anfangen kann.
Besprechung: Die Idee, einen Slasher-Film mit dem Zeitreise-Motiv aufzupeppen, und aus den kulturellen Unterschieden der Jetztzeit zu den
1980ern humoristisches Kapital zu schlagen, ist gut. Und glücklicherweise setzt Nahnatchka Khan, die zuvor eher heitere TV-Serien und die romantische Komödie „Always Be My Maybe“ gedreht hat, die
gute Prämisse auch gut um. Das heißt zunächst einmal: Das Drehbuch von David Matalon, Sasha Perl-Raver und Jen D'Angelo setzt beim Aufeinanderprall einer Jugendlichen von heute mit ihren
jugendlichen Eltern in den 1980ern nicht auf die Klischees, die als erstes in den Sinn kommen, sondern gräbt ein bisschen tiefer. DNA-Tests, die für die zeitreisende Jamie eine
Selbstverständlichkeit der Ermittlungsarbeit sind, lösen bei den Polizisten im Jahr 1987 als Vorschlag nur Heiterkeit aus. Cannabis war damals im Vergleich zu heutigen Züchtungen lasches Kraut.
Und in meiner Lieblingsszene des Films spielen Mädchen an der Schule in bescheuert kurzen Hosen ein absurd brutales Ballspiel, ohne das eine oder andere fragwürdig zu finden, während die
Zeitreisende nicht weiß, wie ihr geschieht. Als sie mit Nasenbluten dasitzt, sagt die Lehrerin nur, sie soll eben besser aufpassen und jetzt kein Geheule veranstalten. Gut ist auch, dass
der Film nicht eine Generation favorisiert und die andere dämonisiert. Klar, die Jugendlichen der 1980er sind schon sehr robust, ignorant und politisch inkorrekt. Aber sie sind auch
rührend, naiv und tapfer. Die Jugendliche der Jetztzeit ist im Vergleich dazu natürlich „woke“, aber sie ist auf ihre Weise auch genauso rührend, tapfer und in anderer Hinsicht naiv.
Die
Hauptrolle wird von Kiernan Shipka (u.a. „Mad Men“, „The Blackcoat’s Daughter“, „The Silence“) mit Sinn für trockenen Humor, aber auch für die Horrorelemente des Films gespielt. Anfangs
fand ich die von ihr verkörperte Jamie mit ihrer schlechten Laune und Besserwisserei eher nervig, aber im Laufe des Films, ist sie mir dann doch ans Herz gewachsen. Vor allem, weil sie nicht nur
meckert, sondern auch wirklich handelt und Mut beweist. Und das muss sie, denn der Killer in diesem Film, sorgt durchaus für ein paar handfeste Spannungs- und Slashermomente.
Manchmal habe ich mich sogar gefragt, ob die gelegentliche Brutalität des Films nicht ein bisschen von der liebenswerten, humoristischen Leichtigkeit nimmt.
Etwas störend fand ich den digitalen Look des Films, der meist eher künstlich als atmosphärisch wirkt. Dafür sind Score und Soundtrack richtig gut und unterstützen zum Beispiel
die Partyszenen des Films, aber auch die unheimlichen Momente. Inszenatorisch und schauspielerisch darf man hier nicht das ganz große Kino erwarten. Und es ist auch nicht so, dass „Totally
Killer“ das Potenzial seiner Prämisse voll ausschöpft. Der Film reicht weder an „Scream“ noch an „Zurück in die Zukunft“ heran – beide Filme werden in „Totally Killer“
pflichtschuldig erwähnt –, ist aber ein charmanter, unterhaltsamer und halbwegs origineller Film, den man gut mit mehreren Generationen gucken kann.
Trivia: Neben Anspielungen auf „Zurück in die Zukunft“ (1985) und „Scream“ (1996), finden sich weitere Film-Referenzen, zum
Beispiel zu „The Breakfast Club“ (1985), „Ferris macht Blau“ (1986) und „Heathers“ (1989). So erinnert beispielsweise die weiße Fransenjacke, die Jamie trägt, sehr an die von Sloane in „Ferris
macht blau“. Filmnerds erkennen noch einige weitere Anspielungen, darunter auch auf den mehrfach verfilmten Jugendroman „Anne of Green Gables“ (1908).
Der Killer trägt eine Maske mit dem Gesicht eines grinsenden, blonden Mannes, entworfen vom Maskenbildner Tony Gardner. Regisseurin Nahnatchka Khan erklärt: „Tony Gardner
und unser Designteam ließen sich von den Frauenschwärmen der 80er inspirieren, wie Kiefer Sutherland, Rob Lowe, Dolph Lundgren und sogar Johnny Bravo, und übertrieben das Ganze dann,
indem wir die Zähne überdimensional gestalteten.“
Der erste DNA-Test zur Aufklärung eines Verbrechens wurde 1986 in England durchgeführt.
Ein „Totally Killer Movie Quiz“ findet sich hier.
IMDB: 6.5 von 10
Letterboxd-Rating: 3.1 von 5
Hopsy-Rating: 3 von 5

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