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The Wolf of Snow Hollow

Eigenwillige schwarze Dramödie

USA 2020

 Regie: Jim Cummings    

 Laufzeit: 85 Minuten

 

Handlung: Der Polizist John Marschall kämpft an mehreren Fronten: Seine Ex-Frau hasst ihn, seine Tochter ist mitten in der Pubertät und sein Vater ist noch Sheriff und weigert sich als sein Vorgesetzter störrisch, seinen Job abzugeben, obwohl er todkrank ist. Obendrein leidet Marschall als trockener Alkoholiker an Schlafproblemen. Dann werden nach einer Vollmondnacht auch noch zerfetzte Leichen in der nördlichen Kleinstadt „Snow Hollow“ gefunden. Und irgendjemand redet von Wolfshaaren. John Marschall platzt endgültig der Kragen. 

 

Besprechung: Das ist ein völlig eigenständiger Film. Wer sich „Fargo“ von den Coen-Brüdern als Mystery-Krimi mit einer weniger albernen und dafür ambivalenteren Hauptfigur vorstellen kann, bekommt immerhin eine grobe Ahnung, was ihn (oder sie) bei „The Wolf of Snow Hollow“ erwartet. Star des Films ist Jim Cummings, der nicht nur Regie führte, sondern auch die Rolle des leidgeprüften Polizisten übernahm. Cummings spielt diesen Mann als von Anfang an gereizten Typen, der im Lauf des Films zunehmend von seinem cholerischen Naturell beherrscht wird. Dabei wirkt er gleichzeitig albern, bemitleidenswert, unangenehm überspannt und durchaus nachvollziehbar. Denn auch wenn sich John Marschall nicht professionell und korrekt verhält: Sein Umfeld IST nervig. Zumindest für ihn, denn Marschall ist – und das macht den Film wirklich interessant – sensibler und intelligenter als die meisten Menschen der Kleinstadt. Und er fühlt sich wirklich verantwortlich. Damit trägt er aber auch eine Last, die zu schwer für seine Schultern ist. 



 

Obwohl Cummings klar der schillernde Mittelpunkt des Treibens ist: Die anderen Figuren in diesem Kleinstadtpanoptikum sind ebenfalls interessant. Da ist die leicht nerdige Kollegin Julia (Riki Lindhome), die stärkere Nerven hat als Cummings, ihn aber nicht verurteilt. Oder eben sein dickköpfiger Vater, der noch den typischen Westernsheriff alter Schule mimt. Zu den weiteren Bewohner*innen des Ortes zählen die coole Snowboard-Lehrerin Hannah, die alleinerziehende Mutter Liz, ein Heroinsüchtiger in einem Camper oder der bei seiner Mutter lebende PJ. 



 

Dass der Film nur zwei Millionen Dollar Budget hatte, hätte ich nicht gedacht. Der Einstieg mit der Kamerafahrt über die Weiten von „Snow Hollow“ zu gediegenem Score vermittelt gleich den Eindruck, sich in einer wirklich hochwertigen Produktion zu befinden. Auch die Kameraarbeit von Natalie Kingston, die Farbgebung und die Effekte haben mich überzeugt. Erstaunlich ist auch, dass die Geschichte manchmal unerwartet brutal und düster ist, und keineswegs nach standardisierter Formel verläuft. Dabei verlangt der Film in meinen Augen aber in der zweiten Hälfte etwas viel von seinem Publikum. Manches wirkt auf mich unverständlich, weil es nur sehr kurz angerissen wird. Als Zuschauer muss man hin und wieder sehr genau aufpassen und sehr schnell Schlüsse ziehen, die nicht immer zu hundert Prozent zwingend sind. Anders gesagt: Die Story wirkt nach hinten raus etwas zu gerafft und verliert dadurch – zumindest für mich – an Durchschlagskraft. Wer aber mit der sonderbaren Mischung aus komischen und tragischen, aus liebevollen und düsteren Tönen klarkommt, die „The Wolf of Snow Hollow“ in rascher Folge oder auch mal wild gemischt anschlägt, bekommt hier einen besonderen und größtenteils packenden Film zu sehen. 

 

Trivia: Robert Foster, der hier den todkranken Sheriff spielt, starb tatsächlich noch bevor „The Wolf of Snow Hollow“ in einigen wenigen Kinos in den USA gezeigt wurde. Jim Cummings hätte nicht damit gerechnet, dass Foster nach dem Lesen des Drehbuchs eine Zusage zu dem Projekt geben würde. Aber es kam anders: Foster gefiel die Story, die er im Kern als Vater-Sohn-Drama deutete. 


Gedreht wurde der Film in Kamas, Utah. In einer Szene des Films sieht man in der Skihütte zwei Aufkleber auf einem Regal. Auf dem einen ist ein schwarzer Vogel abgebildet, auf dem anderen ein roter Aufkleber mit einem weißen Biber. Es handelt sich um die Logos des Solitude Resorts und des Skigebiets Beaver Ski Mountain in Utah.


Regisseur und Hauptdarsteller Jim Cummings wollte sich in einer Szene des Films, in der er körperlich angegriffen wird, real übergeben. Sein Filmteam konnte ihn aber davon überzeugen, diese Idee als „weniger genial“ zu verwerfen. 

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd-Rating: 3.3 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3.5 von 5

 

 

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