· 

Dracula – Die Auferstehung

Kostümoper zwischen Tragik und Quatsch

Frankreich 2025

 Regie: Luc Besson    

 Laufzeit: 129 Minuten

 

Handlung: Im 15. Jahrhundert ist der rumänische Prinz Vlad ein ebenso leidenschaftlicher Kämpfer wie Liebhaber. Seine Elisabeta geht ihm über alles. Als sie durch die Hand des Feindes stirbt, wendet er sich von Gott ab und wird zum blutdurstigen Untoten. 400 Jahre später trifft er im Paris des 19. Jahrhunderts in Mina das perfekte Ebenbild der verstorbenen Elisabeta. Hat seine Suche nach wahrer Liebe womöglich doch noch ein gutes Ende? 

 

Besprechung: Nun will es Luc Besson also mit „Dracula“ wissen. Dabei sind die Voraussetzungen nicht schlecht. Der Regisseur hat ein Gespür für schillernde und phantastische Stoffe und scheut nicht vor barocker Exzentrizität zurück. Außerdem hat er mit Caleb Landry Jones und Christoph Waltz zwei starke und motivierte Darsteller im Cast. Filmmusik-Veteran Danny Elfmann steuert einen gediegenen Score voller dunkler Romantik bei, Corinne Bruand entwarf schicke Kostüme für den im 15. und im 19. Jahrhundert spielenden Film und die Kameraarbeit übernahm – wie schon bei „Dogman“ – Colin Wandersmann. Letzterer war auch für die Kinematographie von extrem blutigen Horrorschockern wie „Inside“ und „Frontier(s)“ (beide 2007) zuständig. Wer aber mit einer Splatter-Variante der altbekannten Dracula-Geschichte rechnet, irrt sich. Besson inszeniert vielmehr ein romantisches Grusel-Drama mit dem Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte. Der englische Beititel ist dann passenderweise auch nicht „Die Auferstehung“ sondern „A Love Tale“. 

Was Caleb Landry Jones in die Rolle des verfluchten Adeligen einbringt, ist bemerkenswert. Man kauft ihm die überbordende Leidenschaft genauso ab, wie die verzweifelte Todessehnsucht in einem ewigen Leben ohne Liebe. Auch die aus dieser Verzweiflung erwachsende Bösartigkeit transportiert Jones eindrucksvoll. Leider spielt er dabei meisterlich gegen einen unausgegorenen Film an, der sich selbst immer wieder im Weg steht. Für ein ernstzunehmendes Liebesdrama sind die Dialoge oft zu hölzern, die Figuren zu flach und die Chemie zwischen Vlad und seiner Elisabeta einfach viel zu wenig spürbar. Zoë Bleu Sidel, die Elisabeta bzw. Mina spielt, verfügt auch nicht über das schauspielerische Talent, um der schwach geschriebenen Frauenfigur Leben und Tiefe einzuhauchen. Winona Ryder in Coppolas „Dracula“ spielte da in einer ganz anderen Liga. 

Überhaupt ist Coppolas Verfilmung aus dem Jahr 1992 eine Messlatte, um die Luc Besson nicht herumkommt, zu ähnlich ist seine gleichfalls am literarischen Vorbild orientierte Version. Und sie unterliegt in so ziemlich allen Belangen. Die Komik fügt sich hier nicht passend ein, sondern stört den dramatischen Ansatz. Noch unpassender sind Augenzwinkern und bewusster Trash-Faktor, die so wirken, als würde Besson seiner eigenen, im Kern ernst gemeinten Inszenierung, nicht ausreichend vertrauen. Die Optik schwankt zwischen grandiosen Bildern und billig wirkenden Momenten aus dem Computer, und das Erzähltempo bremst vor allem im Mittelteil unglücklich ab. 

Aber es gibt auch Lobenswertes an Bessons Film: So spielt Christoph Waltz die Figur eines vampirjagenden Jesuiten gerade in der zweiten Filmhälfte angenehm zurückgenommen. Den für seine Rollen so typischen und längst etwas arg berechenbaren Sarkasmus legt er dabei zunehmend ab und unterstützt damit Jones in seinem Bemühen um eine ernsthafte Dracula-Adaption. Auch bietet der Film einige starke Sequenzen, die in Erinnerung bleiben. Zum Beispiel einen nächtlichen Jahrmarktbesuch in Paris oder einen sonderbar entrückten Ritt über verschneite Felder, auf denen absurderweise jede Menge Bärenfallen herumliegen. Solche Stärken bewahren Bessons Dracula-Abenteuer jedoch nicht davor, immer wieder einmal ins Peinliche abzurutschen. Das Gefühl der Peinlichkeit wird verstärkt, wenn sich der Verdacht aufdrängt, dass Besson mit diesem Dracula-Film, zu dem er auch das Drehbuch schrieb, seine persönliche Läuterung zum Besten geben will. Schließlich könnte die Moral von der Geschichte lauten: Wahre Liebe ist nicht Habsucht, sondern Wohlwollen und stellt das eigene Begehren zugunsten der Geliebten zurück. Besson, gegen den 2018 Strafanzeige wegen Vergewaltigung erstattet wurde, und der sich in der Folge mit weiteren Vorwürfen sexualisierter Gewalt konfrontiert sah, präsentiert diese Selbstverständlichkeit in „Dracula“ wie eine große Einsicht. 

Insgesamt ist „Dracula – Die Auferstehung“ eine verpasste Chance aus den durchaus starken Zutaten einen wirklich runden Film zu erschaffen. Für junge Menschen, die Coppolas „Dracula“ nicht kennen, kann ein Kinobesuch dennoch lohnenswert sein. Allein wegen Caleb Landry Jones. Denn der macht seine Sache wirklich toll. Jetzt muss mit ihm nur noch jemand einen richtigen guten Film inszenieren. 

 

Trivia: Luc Besson sagt von sich selbst, dass er weder ein Fan des Horrorfilms noch der Draculageschichte ist. Seine Faszination für das Projekt sei durch Caleb Landry Jones geweckt worden, mit dem er schon 2023 für „Dogman“ zusammengearbeitet hatte. Besson wollte unbedingt wieder mit Jones drehen, dachte über passende Rollen nach und landete so bei Dracula. Den Regisseur interessierte laut eigener Aussage vor allem die romantische Seite des Stoffs: Die Geschichte eines Mannes, der 400 Jahre lang versucht, die Liebe seines Lebens zu finden.

Für den Dreh seiner Dracula-Adaption griff Besson auf die Expertise des Historikers Martin Mares zurück. Der hatte sich vorher schon als Berater für den Dracula-Film „Die letzte Fahrt der Demeter“ eingebracht. 

Nein, Rumänien und Frankreich hatten nie eine gemeinsame Grenze. Und Vlad II war 1480 bereits seit 33 Jahren tot, und bisher auch nicht die Vorlage für die Vampirfigur des „Dracula“. Dazu hielt sein Sohn Vlad III (Spitzname „Der Pfähler“) her. Solche Schnitzer in Bessons Film fallen in den Bereich „künstlerische Freiheit“.

Gedreht wurde der Film weder in Frankreich noch in Rumänien, sondern in den finnischen Städten Kajaani und Kuhmo sowie dem kleinen Ort Vuokatti in der Region Kainuu. Die Dreharbeiten dauerten von Ende März bis Juli 2024.

 

IMDB: 6.2 von 10

Letterboxd-Rating: 3.1 von 5                                                                                                      

Hopsy-Rating: 3 von 5

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0