Starker Mix aus Beziehungsfilm und Horror-Groteske
• USA, Australien 2025
• Regie: Michael Shanks
• Laufzeit: 102 Minuten
Handlung: Millie und Tim sind Mitte dreißig und seit zehn Jahren zusammen. Sie ist Lehrerin, er wurstelt sich als Indie-Rockmusiker durch. Der Film beginnt mit einer Abschiedsparty, die das Paar in seiner Stadtwohnung feiert. Denn Millie hat ein tolles Jobangebot in einer ländlichen Gegend, die beiden wollen umziehen und sich verändern. Im neu bezogenen Haus auf dem Land zeigen sich die Risse in der Beziehung allerdings besonders deutlich. In dieser latent angespannten Lage verirrt sich das Paar bei einer Wanderung durch die Wälder, gerät in ein Unwetter und findet Zuflucht in einer sonderbaren, offenbar früher einmal rituell genutzten Höhle. Millie und Tim trinken dort von einer Wasserquelle. Kurz darauf setzen bei beiden mysteriöse Veränderungen ein.
Besprechung: Was hält Paare zusammen? Ist es vor allem Liebe? Gewohnheit? Finanzielle oder emotionale Abhängigkeit? Ein Mix aus alle dem? Dieser
Frage geht „Together“ nach. Dabei setzt Regisseur Michael Shanks auf Horror und Ekel, aber auch auf schwarzen Humor, ohne dabei jedoch die Grimmigkeit seiner Parabel zu
unterwandern.
„Together“ ist ein kleiner Film, der in 21 Tagen mit einem übersichtlichen Budget von sieben Millionen Dollar gedreht wurde. Gewaltige Settings und sensationelle Schauwerte
bietet dieses Regiedebüt nicht. Auch stellt der Film mit Millie und Tim – gespielt von Alison Brie und Dave Franco – zwei Menschen ins Zentrum der übersichtlichen Geschichte, die durchaus
glaubhaft, aber nicht unbedingt sympathisch rüberkommen. So hat der Film manchmal etwas Sprödes, das nicht jedem gefallen wird. In diesem Ansatz steckt aber auch das Potenzial der
Inszenierung, denn Brie und Franco, die im wahren Leben miteinander verheiratet sind, können dem eigenwilligen Mix aus Bodyhorror-Groteske und Beziehungsdrama viele Facetten
abgewinnen. Tim zum Beispiel fühlt sich in seiner Musiker-Laufbahn durch Millie eingeschränkt, ein Gefühl, das sich durch den Umzug aufs Land massiv verstärkt. Gleichzeitig kann er froh
sein, dass sie seine künstlerischen Ambitionen mitfinanziert. Auch ist es für Tim durchaus bequem, die Verantwortung für seine Gefühle und seine Erfolglosigkeit an Millie delegieren zu können.
Die wiederum macht dabei gerne mit, weil es ihr Selbstwertgefühl steigert, „gebraucht zu werden“, und sie mit dem hadernden Musiker ihr etwas farbloses Leben aufpeppen kann. Beide sind
also auf komplexe Weise miteinander verstrickt, wobei die unterschiedlichen Abhängigkeiten nicht bedeuten müssen, dass nicht doch auch Liebe die beiden miteinander verbindet.
Als dann der Horror zuschlägt, bietet der Film einige herbe Szenen, bei denen man sich wahlweise angewidert im Kinosessel winden oder lachen kann. Eine Haltung oder Tonalität
gibt „Together“ dabei nicht vor. Man darf sich als erwachsener Zuschauer fühlen, der nicht an die Hand genommen werden muss. Das rechne ich dem Film ebenso hoch an, wie einige clever gemachte
Grusel- und Schrecksequenzen, die nicht nach altbewährten Mustern inszeniert sind. Auch manche der Ekelszenen hat man so im Kino noch nicht gesehen. Die praktischen Effekte sind
dabei stark in Szene gesetzt und könnten „Together“ dabei helfen, unter Fans des Genres ein kleiner Hit zu werden. Einen völlig entfesselten Body-Horror à la „Die Fliege oder „The
Substance“ sollte man allerdings nicht erwarten, wenn man nicht enttäuscht werden will.
Insgesamt ist „Together“ ein eigenwilliger, überdurchschnittlicher Film geworden, der sein Publikum inspirieren dürfte, über Beziehungsfragen nachzudenken. Ich zumindest fühlte
mich in manchen Momenten sonderbar getroffen, fast schon entlarvt. Und das spricht wirklich für den Film.
Trivia: Im Mai 2025 erhielten die Macher von „Together“ eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung: Ihr Film soll angeblich Ideen des 2023
erschienenen Films „Better Half“ von Patrick Henry Phelan geklaut haben. Tatsächlich gibt es ein paar auffällige Gemeinsamkeiten zwischen beiden Filmen. Allerdings ist „Better Half“ eine
romantische Komödie, die auf ein ganz anderes Zielpublikum zugeschnitten ist. Regisseur Michael Shanks wehrte sich gegen die Plagiatsvorwürfe und sagte aus, dass er schon seit vielen Jahren an
dem Stoff arbeite, seinen ersten Entwurf 2019 geschrieben habe und dabei vor allem durch seine eigene Beziehung zu seiner Frau inspiriert worden sei.
Shanks Frau heißt Louie McNamara und arbeitet als Schauspielerin. Währen der Dreharbeiten zu „Together“ jobbte sie aber auch in einem Sex-Shop und konnte ihrem Mann so eine sehr
realistische Penis-Prothese besorgen, die in einer Szene des Films zum Einsatz kommt.
Die Prothese, mit denen die Special Effects Crew die Arme von Alison Brie und Dave Franco
zusammenschweißte, mussten die beiden Schauspieler*innen für Stunde tragen und auch gemeinsam ins Bad gehen.
Der Film enthält neben dem Score des australischen Komponisten Cornel Wilczel einen interessanten Soundtrack, der anspielungsreiche Songs von Bands wie „Golden Suits“, „The
Turtels“ oder den „Spice Girls“ auffährt.
IMDB: 7.1 von 10
Letterboxd-Rating: 3.5 von 5
Hopsy-Rating: 3.5 von 5

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Fenja (Montag, 08 September 2025 11:16)
Exakt :-) Fand den Film echt gelungen, erfrischend kurz (freue mich über alles unter 2h) und konnte kaum einordnen, wovor ich mich mehr gegruselt habe, dem Mystery-Teil, dem "Splätter"-Momenten oder dem Beziehungsaspekt. Angenehm verstörend und doch leicht verdaulich. ;-)
Anselm (Dienstag, 23 September 2025 12:03)
Das freut mich, dass dir der Film auch richtig gut gefallen hat. Und ja, oft ist es gut, wenn Filme die Länge von 90 Minuten nicht oder nur wenig überschreiten. Ich fand ja den Beziehungsaspekt am gruseligsten, der war in meinen Augen so unangenehm realitätsnah.